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De Sauss. – Descartes
des armées ernannt, nichtsdestoweniger 1793 mitten aus seiner Vorlesung heraus verhaftet, aber schon nach drei Tagen in Freiheit gesetzt. D. war der Stifter einer neuen chirurg. Schule, in der sich viele der vorzüglichsten Wundärzte Europas gebildet haben. Sein Verdienst besteht vorzüglich darin, daß er Genauigkeit und Methode in das Studium der Chirurgie brachte, die Behandlung der Knochenbrüche durch Angabe verbesserter Verbandarten (Desaultscher Clavicularverband) vervollkommnete und zuerst die klinische Behandlung der Wundarzneikunst in Frankreich einführte. In seinen Operationen zeichnete er sich durch Kühnheit und Vereinfachung der Handgriffe aus. D. selbst hat nur zwei kleine Abhandlungen hinterlassen; seine Lehre findet sich aber in den von seinen Schülern im Hôtel-Dieu gemachten und im «Journal de chirurgie» (1791‒95; deutsch u. d. T. «Auserlesene chirurg. Wahrnehmungen», 12 Bde., Frankf. 1791‒1806) mitgeteilten Beobachtungen, sowie in den von Bichat unter D.s Namen herausgegebenen «Œuvres chirurgicales» (1798 u. ö.; deutsch von Wardenburg u. d. T. «Chirurg. Nachlaß», 4 Bde., Gött. 1799‒1800). – Vgl. Labrune, Étude sur la vie et les travaux de D. (Besançon 1868).
De Sauss., nach lat. Namen naturhistor. Gegenstände Abkürzung für Henri F. de Saussure (s. d.).
Desavouieren (frz., spr. -awu-), in Abrede stellen, ableugnen, verleugnen, nicht anerkennen, die Vertretung von etwas ablehnen; Desaveu (spr. -awöh), Verleugnung, Nichtanerkennung u. s. w.
Desbordes-Valmore (spr. däbórd walmohr), Marceline, franz. Schriftstellerin, geb. 20. Juni 1786 zu Douai, war erst Schauspielerin, mußte aber wegen eines Nervenleidens der Bühne entsagen. 1818 gab sie ihre ersten Gedichte heraus: «Élégies et romances», worin man den unbefangenen Ausdruck ihres Liebens und Leidens bewunderte. Ihre Idyllen sind schwach, aber ihre Elegien zeichnen sich durch Anmut, Zartheit und Innigkeit aus; ihre Erzählungen und Fabeln haben eine anziehende Naivetät, ihre Romanzen, von den besten Komponisten der Zeit, Garat, Paër und besonders Pauline Duchambge, in Musik gesetzt, wurden sehr beliebt. Indessen blieb sie immer in dürftigen Verhältnissen, bis der Herzog von Montmorency nach seiner Ernennung zum Akademiker ihr sein Gehalt abtrat. 1817 heiratete sie den Schauspieler François Prosper Lanchantin, genannt Valmore. Sie starb 23. Juli 1859. Von ihren Dichtungen sind hervorzuheben: «Élégies et poésies nouvelles» (1824), «Les pleurs» (1833), «Pauvres fleurs» (1839) und «Bouquets et prières» (1843). Sie hat auch gefühlvolle Romane geschrieben: «L’atelier d’un peintre» (2 Bde., 1833), «Une raillerie de l’amour» (1833), «Le salon de Lady Betty» (2 Bde., 1836), «Violette» (2 Bde., 1839; deutsch von A. Winter, Lpz. 1840) u. s. w. Ferner sind zu erwähnen ihre «Contes et scènes de la vie de famille» (2 Bde., 1874). – Vgl. Sainte-Beuve, Mme. D., sa vie et sa correspondance (Par. 1870).
Descabezādo, erloschener Vulkan in der Provinz Talca der südamerik. Republik Chile, erhebt sich vor der Cordillere zu 3888 m Höhe und bildet mit der 1847 ohne alle Vorzeichen und Erdbeben entstandenen Solfatara des Cerro Azul (3760 m) in 35° 40′ südl. Br. einen fast von der Cordillere isolierten Gebirgsstock, auf welchem die Quellen des zum Bergsee Mondaca fließenden Rio Maule liegen. 22 km im NO. liegt der D. chico, d. h. der kleine D. (3253 m). ^[Spaltenwechsel]
Descamisādos (span., «Ohnehemden», analog den franz. Sansculottes), extrem-demokratische Klubpartei, die 1820 in Spanien aufkam.
Descamps (spr. däkáng), Jean Baptiste, franz. Maler, geb. 1711 in Dünkirchen, lebte großenteils in Rouen als Lehrer an der Zeichenschule und starb daselbst 1791. Er malte meist Genrebilder des städtischen wie des ländlichen Lebens. Auch zeichnete er die während der Anwesenheit Ludwigs ⅩⅤ. zu Havre 1749 abgehaltenen Festlichkeiten. Als Kunstschriftsteller verfaßte er «Vie des peintres flamands, allemands et hollandais» (4 Bde., Par. 1753‒63), welches Werk jedoch nicht fehlerlos ist.
Descartes (spr. däkárt), René, gewöhnlich Renatus Cartesius genannt, einer der Reformatoren der Philosophie, der einzige streng systematische Philosoph der Franzosen, geb. 31. März 1596 zu Lahaye in Touraine, zeigte schon in der Jesuitenschule zu Laflèche ungemeinen Scharfsinn. Nachdem er einige Zeit auf Reisen zugebracht, trat er als Freiwilliger in das Heer des Prinzen Moritz in Holland. Von hier ging er nach Deutschland und trat in bayr. Dienste unter General Tilly, nahm jedoch 1621 den Abschied. Nach verschiedenen Reisen und nachdem er 1628 noch einmal als Soldat der Belagerung von La Rochelle beigewohnt hatte, kehrte er nach Holland zurück, wo er seine meisten Schriften ausarbeitete, viele Schüler an sich zog und auch in mehrere gelehrte Streitigkeiten, besonders mit den Theologen, verwickelt wurde. Er ging 1649 nach Stockholm, wo die Königin Christine seinen gelehrten Umgang und Unterricht wünschte, und starb daselbst 11. Febr. 1650. Sein Leichnam wurde 16 Jahre später nach Paris gebracht und in der Kirche der heil. Geneviève du Mont beigesetzt. 1852 wurde ihm in Tours ein Denkmal (Statue von Nieuwerkerke) gesetzt.
Eine feste philos. Überzeugung war bei D. der Zielpunkt seines Strebens. Das Resultat seiner Forschungen stellte er besonders in seinem «Discours de la methode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences» (unter den «Essais philosophiques», 1637), den «Meditationes de prima philosophia» (Amsterd. 1641; zum akademischen Gebrauch hg. von Barach, Wien 1866) und in den «Principia philosophiae» (Amsterd. 1644) auf. Er ging darin von einem allgemeinen Zweifel an allem bisherigen Wissen aus. Der einzige Satz, der sich nicht wegzweifeln läßt, ist ihm der: Ich denke, also bin ich (Cogito, ergo sum). Diesen benutzt er, um festzustellen, daß alles, was klar und deutlich gedacht werde, wahr sein müsse. Unter diesen klaren und deutlichen Gedanken findet er die Idee Gottes, des vollkommensten Wesens, als eine angeborene, deren Realität größer als die des (endlichen) menschlichen Ich ist, sodaß nicht das Ich die Ursache dieser Idee sein kann, weil sonst die Wirkung größer als die Ursache wäre; sie muß daher ihre Ursache außerhalb des Ich in Gott haben. Damit ist die Existenz Gottes gewonnen und D. schließt nun aus Gottes Wahrhaftigkeit, daß er uns durch seine Schöpfung nicht täuschen könne, daß also die Körperwelt, die wir als außer uns befindlich klar und deutlich vorstellen, auch außerhalb unser so bestehen müsse. Seine Grundansicht ist dabei ein streng festgehaltener Dualismus zwischen Geist und Materie, als der denkenden und ausgedehnten Substanz, dergestalt, daß beide nicht aufeinander einwirken kön- ^[folgende Seite]