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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Galläpfel – Gallas

Par. 1889) sind eine reiche Quelle für die Kenntnis der Beziehungen zwischen der Türkei und den christl. Staaten sowie der Stellung der christl. Unterthanen der Türkei im 17. Jahrh.

Galläpfel, die durch den Stich verschiedener Insekten an vielen Pflanzen hervorgerufenen Gallen (s. d.), die bald als holzige, bald als beerenartig-weiche Auswüchse von mannigfacher Form erscheinen. Am bekanntesten sind die G., die auf den Blättern und Knospen verschiedener Arten der Eiche vorkommen; dieselben rühren namentlich von den zum Behufe der Eiablage gemachten Stichen gewisser Gallwespenweibchen (s. Gallwespen) her, sind aber nicht, wie man früher glaubte, durch einen von dem legenden Insekte abgesonderten Saft, sondern durch den Reiz der aus dem Ei hervorgegangenen Insektenlarven veranlaßt. Unsere einheimischen Eichen (Quercus pedunculata Ehrh. und sessiliflora Sm.) werden von einer Anzahl Gallwespen befallen, deren jede eine Galle von bestimmter Form hervorbringt. So erzeugt Cynips scutellaris Oliv. die kirschgroßen, weichen, auswendig schön grün und oft auch rot gefärbten, kugeligen G., die man so häufig an der untern Seite der Eichenblätter findet; Cynips terminalis L. die holzigen G. an der Spitze der Zweige; Cynips corticalis Htg. die ebenfalls holzigen, kegelförmigen, zierlich gerieften G. an der Rinde junger Eichenpflanzen, die oft das Eingehen oder wenigstens Verkrüppeln solcher Pflanzen herbeiführen; Cynips Quercus corticis L. die holzigen, unregelmäßig geformten, nach dem Ausschlüpfen der zahlreichen, in ihnen sich entwickelnden Gallwespen siebartig durchlöcherten G. an den Stämmen, Ästen und Zweigen; Cynips fecundatrix Htg. die braunen, beschuppten G., die aus von dieser Gallwespe angestochenen Knospen hervorgehen; Cynips calicis Burgsd. die sog. Knoppern an den Früchten von Quercus pedunculata, seltener von Quercus sessiliflora. Letztere sind die unregelmäßig ausgewachsenen Fruchtbecher, in die die genannte Gallwespe ihre Eier legt und die oft die darin steckende Eichel ganz umhüllen. Unter den Knoppern gelten die ungarischen für die besten. Die Knoppern enthalten, wie alle Eichengalläpfel, Gerbstoff und Gallussäure und werden deshalb in der Färberei technisch verwendet. Bekannt sind die holzigen, harten G., die zur Tintenbereitung, in der Färberei und zur Gewinnung der Gerbsäure und Galläpfeltinktur benutzt werden.

Man unterscheidet im Handel mehrere Sorten; die sog. türkischen, kleinasiatischen, auch levantinische oder mossulische genannt, sind kugelig, auf der Oberfläche mehr oder weniger warzig-stachelig, heller oder dunkler graugrünlich (schwarz, blau, grün und marmoriert) oder grünlichgelb bis schmutzigweiß (weiße G.), schwer und bis 2,5 cm im Durchmesser groß. Sie werden durch den Stich der Cynips tinctoria L. hervorgebracht, die ihre Eier in die Knospen der im Orient (namentlich Kleinasien) wachsenden Quercus infectoria Oliv. legt. Die kleinasiatischen G. enthalten von allen G. die größten Mengen von Gerbstoffen, gegen 60 Proz. und darüber. Unter den europäischen G. sind zunächst 1) die sog. großen ungarischen G. hervorzuheben; diese stammen von Quercus pedunculata und werden durch den Stich von Cynips hungarica Htg. erzeugt; sie erreichen bis 3,5 cm im Durchmesser. Ferner 2) kleine ungarische G., die zum größten Teil von den Stichen der Cynips Kollari Htg. herrühren sollen; sie sind kugelig, von hellbrauner Farbe und haben einen Durchmesser von 1 bis 2,5 cm, der Gehalt an Gerbstoffen beträgt 25‒30 Proz.; 3) deutsche G., die von den in Deutschland einheimischen Eichen stammen und von den Stichen verschiedener Cynips-Arten erzeugt werden; 4) französische G., die auf den Blättern von Quercus ilex L. und cerris L vorkommen, deren Verursacher noch unbekannt sind. Von Quercus cerris sollen auch die griechischen und italienischen G. stammen. ^[Spaltenwechsel]

Die am meisten in den Handel kommenden sind die kleinasiatischen und zwar die großen mossulischen und die G. von Haleb, wovon in guten Jahren 8‒9000 Säcke im Werte von je 140‒160 M. produziert werden; außerdem finden sich häufig die großen und kleinen ungarischen G. und die Knoppern. An diese Produkte des Eichbaums schließen sich die sog. chinesischen G., die sich seit 1846 im Handel finden und aus China und Japan stammen. Es sind blasige Anschwellungen, die sich durch den Stich von Aphis chinensis Doubl. an einer Sumach-Art, der Rhus semialata Murr., bilden und meist länglich-walzenförmig, aber auch plattgedrückt, birnförmig, kugelig vorkommen und auf ihrer mit gelblichgrauem Filz bedeckten Oberfläche mancherlei hohle Höcker und Zacken zeigen; ihre Länge variiert von 3 bis 10 cm und ihre Dicke von 1,5 bis 4 cm, die Wände sind sehr dünn, hornartig durchscheinend und spröde; sie zeichnen sich durch hohen Gerbsäuregenalt (bis zu 60‒70 Proz.) aus. Es werden jährlich 30‒45000 Pikuls (1892: 38000 Pikuls) im Werte von je 110‒120 M. erzeugt. Die G., sowohl die gewöhnlichen wie die chinesischen, finden in der Färberei, zur Fabrikation der Tinte und zur Herstellung des Tannins, der Gallussäure und des Pyrogallols ausgedehnte Anwendung.

Die Galläpfeltinktur (Tinctura gallarum), die durch Ausziehen der G. mittels Alkohol gewonnen wird, verwendet man in der Heilkunde häufig, äußerlich als zusammenziehendes Mittel bei wunden Brustwarzen, Hautschrunden und nässenden Flechten, innerlich als Gegengift bei Vergiftungen mit narkotischen Pflanzenstoffen (z. B. mit Opium, Morphium, Bilsenkraut u. s. w.), obgleich hierzu Tannin vorgezogen wird.

Galläpfeleiche, s. Eiche (Bd. 5, S. 762 a).

Galläpfelfliegen, s. Gallwespen.

Galläpfelgerbsäure, s. Gerbsäuren.

Galläpfeltinktur, s. Galläpfel.

Gallarāte, Hauptort des Kreises G. (153486 E.) in der ital. Provinz Mailand, 41 km im NW. von Mailand, an den Linien Arona-Mailand, G.-Varese (19 km) und G.-Laveno (32 km) des Mittelmeernetzes, Sitz einer Unterpräfektur, hat (1881) 6734, als Gemeinde 8442 E., in Garnison 2 Eskadrons des 18. Kavallerieregiments, eine technische Schule und bedeutende Baumwollmanufaktur (Kattune).

Gallas, Matthias, Graf von Campo, Herzog von Lucera, kaiserl. General im Dreißigjährigen Kriege, geb. 16. Sept. 1584 zu Trient, machte seinen ersten Feldzug in dem span. Heere in Flandern mit, kämpfte dann 1616 und 1617 in Savoyen, trat aber bald darauf als Hauptmann in den Dienst der deutschen kath. Liga und wurde zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges Oberst eines Fußregiments. Besonders zeichnete er sich bei Stadtlohn (1623) aus, kommandierte 1629 als von Wallenstein bestallter General-Feldwachtmeister ein Truppenkorps in Italien und eroberte 1630 unter Collalto Mantua. Dar- ^[folgende Seite]