595
Gymnadenia – Gymnasium
1740). Seine Gedichte, mit denen seines Vaters, Onkels und Bruders, wurden 1863 herausgegeben. G. starb 9. Dez. 1746. – G.s Neffe, Gustav Fredrik Graf G. (geb. 25. Nov. 1731, gest. 30. März 1808), hat als Dichter von Fabeln, Dramen und des Epos «Tåget öfver Bält» (Stockh. 1800) sich einen Namen erworben.
Gymnadenĭa R. Br., Pflanzengattung aus der Familie der Orchideen (s. d.). Die wenigen Arten sind in der nördl. gemäßigten Zone einheimisch; in Deutschland wachsen nur vier Arten: krautartige Pflanzen mit handförmig geteilten Knollen, mit denen sie überwintern; die Blätter sind lang und von lanzettlicher Gestalt. Die häufigste und bekannteste Art ist die hauptsächlich auf Kalk wachsende G. conopsea R. Br., deren Knollen als Glückshändchen oder Palma Christi major früher bedeutende Heilkräfte zugeschrieben wurden und die überhaupt im Volksaberglauben eine große Rolle spielten. Von einer andern, seltenern Art, der G. odoratissima Rich., wurden die Knollen als Palma Christi minor bezeichnet und dienten zu ähnlichen Zwecken wie die der vorigen Art.
Gymnarchus, Nilhecht, Gattung der Schlundblasenfische (s. d.), und zwar aus der Familie der Mormyridae (s. d.) mit nur einer Art (G. niloticus Cuv.). Der Körper ist aalähnlich, beschuppt, der Kopf nackt. Die Rückenflosse verläuft fast den ganzen Rücken entlang, der flossenlose Schwanz ist zugespitzt, After- und Brustflossen fehlen, die Kiemenspalte ist sehr klein. Bewohnt die Flüsse des tropischen Afrika.
Gymnasiālseminare, s. Gymnasien (S. 597 a).
Gymnasĭarchen, s. Gymnastik.
Gymnasĭum, bei den Griechen Bezeichnung für öffentliche Anlagen, die dem Jüngling und Mann (die Knaben übten sich in der Palästra) zur Ausbildung und Kräftigung des Körpers Gelegenheit boten (s. Gymnastik). Gymnastische und musische, d. h. körperliche und geistige Ausbildung wurde von den Griechen und namentlich von den Athenern gleichmäßig gefördert, aber nur die erstere stand unter der Leitung des Staates. Allmählich wurden die G. auch Sammelplätze für das geistige Leben. Besonders die Philosophen wählten sie, um dort ihre Vorträge zu halten. So in Athen; in der Akademie lehrte Plato, im Lykeion (Lyceum) Aristoteles, im Kynosarges der Stifter der cynischen Schule. Die Römer bezeichneten ursprünglich die Schule mit ludus; später, als die griech. Bildung bei ihnen allgemeiner wurde, gebrauchten sie den Namen schola, der bei den Griechen eigentlich die Muße, dann die in der Muße von Staatsgeschäften geübte wissenschaftliche Thätigkeit bedeutete. Die Namen des klassischen Altertums (Akademie, Lyceum, G.) hat die christl. Zeit mit dem Studium der Schriftwerke des Altertums auf die höhern Lehranstalten übertragen. Das Mittelalter nannte seine Schule mit dem von den Römern übernommenen Namen schola, dann studium. Als sich im Mittelalter in Italien und Frankreich die Universitäten bildeten, erhielten sie in Erinnerung an die griech. Philosophenschulen neben dem Namen studium generale und universitas den Namen gymnasium (in der Humanistenzeit auch academia), von welchen Namen universitas ursprünglich nicht wie jetzt die Gesamtheit der Wissenschaften (universitas litterarum), sondern die Gesamtheit der Lehrer und Studierenden, die akademische Körperschaft, bezeichnete. In der Humanistenzeit begann man den Namen G. auch Lateinschulen beizulegen, zuerst vorzugsweise solchen, die über die gewöhnlichen Unterrichtsziele hinausgingen, wie die in Nürnberg, den Hansestädten, Gotha. Daraus entwickelten sich gymnasia academica, die Gelegenheit bieten sollten, auch die Universitätsstudien in der Heimat zu betreiben, wie in Coburg, Danzig, Hamburg. Aus einzelnen solcher Schulen sind auch Universitäten entstanden, wie Altdorf aus Nürnberg, Helmstedt aus Gandersheim, Erlangen aus Bayreuth, Dorpat aus Mitau. Gegen den Ausgang des 18. Jahrh. wurde der Name G. allgemeiner, aber erst eine preuß. Verfügung vom 12. Okt. 1812 ordnete an, daß alle Schulen, die das Recht hätten, ihre Schüler zur Universität zu entlassen, amtlich den Namen G. führen sollten. Diesem Vorgange ist man in den meisten deutschen Ländern gefolgt, ebenso in Österreich und Rußland. In Bayern heißen die G. Studienanstalten. Dagegen hat Frankreich Lycées (Staatsanstalten) und Collèges (von dem lat. collegium), Italien Licei und Ginnasi, England Grammar Schools und Public Schools, Belgien Athénées, Skandinavien Läroverk (gelehrte Schulen), die Schweiz Kantonschulen. In sehr verschiedener Anwendung finden sich vereinzelt die Namen Lyceum, Pädagogium, Kloster-, Domschule. Der Name Gelehrte Schule oder gar Gelehrtenschule hat seine Veranlassung in der vorwiegenden Beschäftigung mit den alten Sprachen und der Vorbereitung für einen gelehrten Beruf. Daneben hat Mittelschule in neuerer Zeit Verbreitung gefunden.
Aus dem röm. Altertum hat die christl. Welt ihre Bildungsmittel entlehnt; die encyklopäd. Behandlung des Wissens in den sieben Freien Künsten bot in einer Zweiteilung das trivium (Grammatik, Rhetorik und Dialektik) als Lehrgegenstände für den ersten Unterricht, während das quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik), die höhere Stufe, von vielen nicht erreicht wurde. Zunächst war es bei dem Unterricht in den Kloster- und Domschulen auf die Ausbildung von Geistlichen abgesehen; später kam zu der innern Schule (schola claustralis) auch eine äußere Schule (schola exterior) mit demselben Unterricht für Laien hinzu. Stadtschulen mit gleicher Unterrichtsverfassung beginnen seit dem 12. Jahrh. Das Band der Kirche machte aus der gebildeten Welt eine Einheit mit einer einzigen Sprache, der lateinischen, die auch allein zur Vermittelung alles geschäftlichen Verkehrs diente. Durch die scholastische Philosophie wurde die Kenntnis der röm. Litteratur verdrängt, und das Lateinische verfiel, nachdem es sich eine der scholastischen Bildungsweise entsprechende Form geschaffen hatte, in Barbarei. Mit der Neubelebung der klassischen Studien in Italien und deren Verpflanzung zu den Kulturvölkern Europas begann der Kampf gegen diese Barbarei, der mit besonderm Nachdruck in Deutschland geführt wurde. Man erstrebte eine allgemeine geistige Bildung durch die klassische Litteratur, richtiger durch die röm. Litteratur und deren Charakter, denn die griech. Sprache hat sich nur langsam auf den Universitäten verbreitet und sehr dürftig in den Schulen entwickelt.
Diese verbesserte Trivialschule des Mittelalters nahmen die deutschen Reformatoren eifrigst auf. Luther und Melanchthon hatten dabei sowohl die Bedürfnisse der Kirche als auch das weltliche Regi- ^[folgende Seite]