369
Horvatović – Hosemann
schiedenen Orten in der Seelsorge sowie als Erzieher thätig. Er erhielt 1844 die Professur der ungar. Sprache und Litteratur am Theresianum zu Wien und folgte 1847 einem Rufe als Propst und Pfarrer nach Hatvan, wurde 1848 zum Bischof von Csanád ernannt und erhielt nach der Unabhängigkeitserklärung vom 14. April 1849 das Portefeuille des Kultus und des öffentlichen Unterrichts. Nach Niederwerfung der Revolution ward er in contumaciam zum Tode verurteilt, doch gelang es ihm, nach dem Auslande zu entkommen. Er lebte seitdem teils in Paris und Brüssel, teils in der Schweiz und Italien. 1866 erhielt er die Erlaubnis, nach Ungarn zurückzukehren, und wurde nun wiederholt von der Stadt Szegedin, und nach Deáks Tode auch von der Innerstadt Budapest zum Abgeordneten in den Reichstag gewählt, wo er sich zur gemäßigten Deák-Partei hielt. Er war auch Präsident des Landesunterrichtsrates. H. starb 19. Aug. 1878 in Karlsbad. H.s bedeutendste Arbeiten sind: «A Magyarok története» («Geschichte der Ungarn», 4 Bde., Pápa 1842‒46; deutsch, 2 Bde., Pest 1851‒55; neue Aufl. 1861), die «Monumenta Hungariae historica» (4 Bde., Pest 1857 fg.) sowie eine eingehende Geschichte von Ungarn (6 Bde., ebd. 1859‒63; neue Aufl., 8 Bde., ebd. 1871‒73). Hierzu kamen noch «Huszonöt év Magyarország történelméböl» («Fünfundzwanzig Jahre aus der Geschichte Ungarns», 2 Bde., Genf 1863; neue Aufl., 3 Bde., Pest 1868; deutsch, Lpz. 1866) und «Magyarország függetlenségi harczának története» («Geschichte des Unabhängigkeitskrieges in Ungarn 1848 und 1849», 3 Bde., Genf 1865; neue Aufl., 3 Bde., Pest 1871‒72). Seine kleinern Werke erschienen gesammelt in vier Bänden (Pest 1868).
Horvatović (spr. -witsch), Georg, serb. General, geb. 29. Jan. 1835 zu Slobodnica im Komitat Požega (Kroatien-Slawonien), trat in das österr. Heer ein. Im ital. Feldzuge 1859 avancierte er zum Oberlieutenant, trat 1862 in serb. Dienste, wurde 1872 Major und 1875 kurz vor dem Ausbruch des Krieges mit den Türken Oberstlieutenant. In der Schlacht bei Knjaževac schlug er 4. Aug. 1876 das türk. Centrum, konnte aber die Niederlage der Serben nicht hindern. Am 25. Aug. kam er dem General Tschernajew, den die Türken bei Alexinac hart bedrängten, zu Hilfe und entschied die Schlacht zum Vorteil der Serben, wofür er zum Obersten ernannt wurde. Auch in dem zweiten Kriege 1877‒78 hat sich H. als Führer bewährt. 1880 ward er zum außerordentlichen Gesandten am Hofe zu Petersburg ernannt. Nach Serbien zurückgekehrt, wurde H. nach dem kläglichen Ausgange des Serbisch-Bulgarischen Krieges im Dez. 1885 in das Hauptquartier berufen und mit dem Oberbefehl betraut. Doch erkannte er bald, daß für Serbien eine Weiterführung des Krieges nicht möglich sei, und so kam es zu den Verhandlungen, welche den Frieden zu Bukarest zur Folge hatten. 1886 übernahm er das Kriegsministerium, trat aber 1887 wegen der Unmöglichkeit, seine neue von der Skupschtina angenommene Heeresorganisation bei der schlechten Finanzlage durchzuführen, wieder zurück.
Hörzellen, s. Gehör (Bd. 7, S. 691 a).
Horzeln, Bezeichnung für wenig lagerhafte Bruchsteine (s. d.).
Hō-schang, s. Buddha (Bd. 3, S. 695 b).
Hose, s. Hosen. – Beim Pferde heißt H. die um den Unterschenkel herumgelagerte Muskulatur. Ist diese Partie breit und mit dicker Muskulatur versehen, so spricht man von einer «vollen H.». Das Gegenteil bezeichnet man als «dürftige H.» oder als «fuchslendig». ^[Spaltenwechsel]
Hosēa, Prophet des 8. Jahrh. v. Chr., der zweite, von dem uns eine Schrift erhalten ist, war der Sohn eines sonst unbekannten Mannes Beeri, wahrscheinlich aus dem Reiche Israel. H. weissagte unter Jerobeam Ⅱ. von Israel und dessen Nachfolgern. Sein Buch steht im Kanon des Alten Testaments an der Spitze der sog. zwölf Kleinen Propheten. H. eifert gegen die kultische und sittliche Verderbnis des Reichs Ephraim. Israel hat zwei große Sünden begangen: es verehrt statt des wirklichen Jahwe die Jahwebilder, die er Baale nennt, und hat sich wider Jahwes Willen Könige gesetzt. Durch diese Sünden ist es in den Zustand innerer Verkommenheit und äußerer Schwäche geraten; es droht nun eine Beute seiner Nachbarn zu werden. Darin aber erkennt H. die von Jahwe für Israels Abfall verhängte Strafe. Entscheidend für die Einkleidung dieser Gedanken und die Quelle für einen Teil des Inhalts derselben sind die persönlichen Schicksale des H. gewesen. Er hatte das Unglück, daß ihm sein Eheweib untreu wurde und entlief, und bemühte sich in selbstverleugnender Liebe, dasselbe zurückzugewinnen und zu bessern. In diesem ihm widerfahrenen Schicksal erkennt er eine göttliche Lebensführung. Jahwe hat ihm an diesem Schicksale sein Verhältnis zu Israel deutlich machen wollen: Jahwe ist der liebende Gemahl Israels, der sein untreues Eheweib trotz seiner Sünden mit heißer Liebe umfaßt und gern retten möchte, sich aber genötigt sehen wird, es zu verstoßen, wenn es sich nicht bekehrt. H. hat den spätern Zeiten die bildliche Bezeichnung der Abgötterei als Ehebruch und Hurerei und die Bezeichnung des altisrael. Kultes als Baalkult vererbt, auch die spätere unhistor. Auffassung des israel. Königtums vorgebildet.
Hosēa, der letzte König des Reiches Israel, führte, von Tiglatpilesar (Teglatphalasar) 734 v. Chr. eingesetzt, durch seinen Abfall von dessen Nachfolger Salmanassar den Untergang des samaritanischen Königtums 722 herbei. Auf die Kunde, daß H. mit Ägypten verhandle, erschien Salmanassar sofort in Palästina und zwang den H., sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Sein Ende ist unbekannt.
Hosemann, Andr., s. Osiander.
Hosemann, Theodor, Genremaler und Zeichner, geb. 24. Sept. 1807 zu Brandenburg, bildete sich an der Akademie zu Düsseldorf erst unter Cornelius, dann unter Schadow. Dann schloß er sich der 1824 nach Berlin übersiedelnden lithographischen Anstalt von Winckelmann an und war mit großem Erfolg als Illustrator thätig, und zwar namentlich für Jugendschriften, doch auch für ernstere Werke, wie die Schriften von E. T. A. Hoffmann, J. ^[Jeremias] Gotthelf, Zachariä, Andersen, Glaßbrenner u. s. w. Hier machte er auch die ersten Versuche in der Ölmalerei, indem er hauptsächlich das Berliner Philistertum humoristisch darstellte. Die Rehberger (die damaligen Erd- und Karrenarbeiter Berlins), Die musizierenden Erdarbeiter (1854), Der Sandfuhrmann (1855; Berliner Nationalgalerie), Die Kegelspieler (1855), Berliner Sommerwohnung, Berliner Biertrinker u. s. w. sind trotz der veralteten, trocknen Technik von bleibendem Wert. 1857 wurde er zum Professor und 1860 zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt. H. starb 15. Okt. 1875 zu Berlin.