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Kunstgeschichte
fern. Erst nach und nach, mit dem Wachsen des Individualismus in der Kunst und mit dem Studium der Antike begann die K. sich zu entwickeln. Zunächst ist sie Erklärung der alten Kunstschriftsteller, namentlich des Vitruvius (s. d.); nebenher ging das Aufmessen alter Bauwerke, besonders in Rom.
Den Anfang einer modernen K. machte Vasari (s. d.) mit seinen Künstlerbiographien: «Vite de’ più eccellenti pittori, architetti e scultori italiani da Cimabue sino ai tempi nostri», welches Werk in Florenz 1550 zuerst gedruckt wurde und dem sich später, bis in das 18. Jahrh., eine Reihe ähnlicher biographisch geordneter Schriften anreihten. Am nächsten steht dem Vasari Karel van Mander mit seinem «Schilderboek» (Haarlem 1604 und Amsterdam 1618) und Arnold Houbracken mit seiner «Groote Schouburgh» (3 Bde., Amsterd. 1718), welche für die Niederlande die Grundlagen der K. lieferten, und Joachim von Sandrart, der in seiner «Deutschen Akademie der Bau-, Bildhauer- und Malerkunst» (Nürnb. 1675‒79; 2. Aufl., ebd. 1768‒75) die deutschen Künstler seiner Zeit darzustellen bestrebt war.
Im wesentlichen blieb die wissenschaftliche K. aber noch auf das Altertum beschränkt; ja zu Ende des 17. Jahrh. gewann die Erforschung der Antike neue Kraft. Die Zahl der die alte Kunst behandelnden Kupferwerke wuchs immer mehr. Besonders das große Werk von Bernard de Montfaucon «L’antiquité éxpliquée et représentée en figures» (15 Bde., Par. 1719‒24) gab zum erstenmal einen umfassenden Überblick über die Kunst der Alten und wurde erweitert durch des Grafen Caylus’ (s. d.) Arbeiten, namentlich seinen «Recueil d’antiquites» (7 Bde., Par. 1752‒67). Die gleichzeitigen deutschen Veröffentlichungen, besonders jene von Lorenz Beger (gest. 1705), kamen hiergegen nicht in Betracht. Durch Caylus war man zu einer in modernem Sinne wirksamen, sachlich nüchternen und alle damals erschlossenen Hilfsmittel benutzenden, kritischen Betrachtung der antiken Kunstwerke gekommen.
Die Behandlung der modernen K. machte nicht gleiche Fortschritte. Zwar erschienen zahlreiche Kupferstiche nach modernen Kunstwerken, namentlich nach Architekturen; jedoch begann erst J. F. Félibien (gest. 1733) mit seinem Buche «Recueil historique de la vie et des ouvrages des plus célèbres architectes» (Par. 1687) und André Félibien mit dem Werk «Entretiens sur les vies et sur les ouvrages des plus excellents peintres» (4 Bde., Lond. 1705) die kritische Behandlung der modernen Kunst aufzunehmen. Das erstere Werk setzte P. J. ^[Paul Jacob] Marperger für Deutschland fort in «Historie und Leben der europ. Baumeister» (Hamb. 1711). Auch in diesen Büchern erhob sich die Darstellung nicht über ein wenig kritisches Aneinanderreihen von Lebensgeschichten. In Deutschland bereiteten erst Joh. Friedr. Christ (s. d.) und J. M. ^[Johann] Gesner (s. d.) in der Mitte des 18. Jahrh. ein tieferes Studium der Kunst der Alten vor. An sie schloß sich der Dresdener Gelehrtenkreis, der, auf die Vorarbeiten der Franzosen gestützt, diese bald übertraf. An ihrer Spitze stand Joh. Joachim Winckelmann (s. d.), welcher der nüchtern prüfenden Art des Caylus eine begeisterte und daher auch einseitige Vorliebe für die Alten entgegensetzte und somit auf fast ein Jahrhundert Deutschland zur unbedingten Verehrung der klassischen Formen fortriß. Neben ihm sind Chr. G. Heyne und Lippert, ferner als Männer, welche auch die moderne K. im Auge behielten, Chr. L. von Hagedorn, Heinecken und Ph. von Stosch (s. die betreffenden Artikel) zu nennen. ^[Spaltenwechsel]
Anregend auf die ganze Welt wirkten die gegen Ende des 18. Jahrh. beginnenden Ausgrabungen von Pompeji und Herculanum, ferner der Tempel von Pästum, endlich die engl. Aufmessungen in Athen durch Stuart und Rewet, welche der Hinneigung zur röm. Kunst nun die hellenische Kunstauffassung entgegensetzten. Diese fand zu Anfang des 19. Jahrh. in Berlin ihren stärksten Rückhalt in Friedr. Aug. Wolf, K. Ph. Moritz und Schinkel. Die Nationen begannen wetteifernd zu sammeln, und wenn auch Napoleon Ⅰ. auf einige Zeit Paris zum Mittelpunkt der Kunstschätze Europas machte, so traten doch bald London durch die Erwerbung der Elgin Marbles (s. d.), München durch die Äginetische Giebelgruppe (s. Äginetische Kunst) und Berlin in Wettbewerb. Durch die Gründung des Archäologischen Instituts (s. d.) in Rom (1829) wurde der dortigen franz. Akademie (seit 1666) eine deutsche Anstalt zur Seite gestellt, die nun bald den eigentlichen Mittelpunkt der archäol. Forschung bildete. Während die Archäologie schon eine nicht unbeträchtliche Vertiefung erhalten hatte, machte sich in der Geschichte der christl. Kunst meist noch ein trocknes Notizenwesen geltend. Aus diesen gingen zunächst die Künstlerlexika hervor, deren erstes bedeutendes jenes von Hans Rud. Fueßli war («Allgemeines Künstlerlexikon», Zür. 1771‒79; neue Aufl. 1811‒19). Diesem schloß sich das Naglersche «Neue allgemeine Künstlerlexikon» (22 Bde., Münch. 1835‒52; neu bearbeitet von J. Meyer u. a., Lpz. 1870 fg.; unvollendet geblieben) und das «Allgemeine Künstlerlexikon» (3 Bde., Stuttg. 1878‒79) von Seubert an. Zur Erklärung der von den Künstlern gewählten Zeichen gab Nagler mit Andresen die «Monogrammisten» (Münch. 1858‒73) heraus, während Bartsch («Le peintre-graveur», Wien 1803‒21), Andresen («Die deutschen Malerradierer», Lpz. 1866‒70), Lehrs, Wessely, Schmidt u. a. die Geschichte der Kupferstechkunst wissenschaftlich bearbeiteten. Zu der Durchforschung der mittelalterlichen Kunstwerke, namentlich jener der Baukunst, ging die Anregung von England und der dort zuerst auftretenden sentimentalen Gefühlsweise aus; zu Ende des 18. und bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrh. entstanden dort zahlreiche Werke über Kirchen und Schlösser des Landes. In Deutschland nahmen diese Studien, die sich hier alsbald auch auf altdeutsche Malerei erstreckten, die Brüder Boisserée, J. G. ^[Johann Gottlob] von Quandt, Franz Kugler, Ernst Förster, Heideloff u. a. auf und weckten somit auch die Teilnahme der Künstler für die nun zu mächtigem Einfluß gelangende mittelalterlich-romantische Kunst. ähnliche Bestrebungen leiteten den trefflichen Viollet le Duc, ferner Laborde, Chapuy, Du Somérard, Daly, Palustre in Frankreich, Caveda in Spanien, Street, Pugin, Jones, Fergusson in England, sodaß sich die Geschichte der mittelalterlichen Kunst mehr und mehr zum einheitlichen Bilde zusammenschloß.
Die Geschichte der Kunst der ital. Renaissance hatte schon früh eine besondere Pflege gefunden. Im Gebiete der Architektur traten zunächst die Franzosen Gauthier, Percier und Fontaine, Letarouilly als Forscher hervor. Hinsichtlich der allgemeinen kritischen Würdigung gab Rumohr durch seine «Ital. Forschungen» (3 Bde., Berl. 1827‒31) die weitgehendsten Anregungen. In seinen Bahnen
^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]