Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Pitt; Pittăkal; Pittăkus; Pitten

169

Pitt – Pitten

geschlagen und gefangen genommen. P., slaw. Biszina, gehörte 1311‒1675 zu Brieg.

Pitt, eine der Chathaminseln (s. d.).

Pitt oder Regent, Name eines großen Diamanten, s. Diamant (Bd. 5, S. 248 a) und Tafel: Diamanten, Fig. 3.

Pitt, William, der ältere, s. Chatham (Graf).

Pitt, William, engl. Staatsmann, geb. 28. Mai 1759 in Hayes (Kent), war der zweite Sohn des Grafen von Chatham (s. d.) und wird im Gegensatz zu diesem der jüngere P. genannt. Er studierte seit 1773 in Cambridge, wurde 1780 Advokat in London und trat im folgenden Jahre ins Parlament, wo er mit den whiggistischen Freunden seines Vaters verbunden ein heftiger Bekämpfer des Ministeriums Norths und seiner amerik. Politik wurde. Er beherrschte bereits vollkommen die parlamentarische Debatte, lehnte nach Norths Sturz ein untergeordnetes Amt ab und trat erst als Schatzkanzler unter Shelburne (s. Lansdowne) ins Kabinett (Juli 1782). Damit kam er schon mit seinem bisherigen Parteigenossen Fox auseinander, und als dieser seine Koalition mit North geschlossen und durch diese Shelburne verdrängt hatte (Febr. 1783), weigerte P. sich, in eine solche Verbindung einzutreten. Als Fox durch seine ostind. Bill zu Fall gekommen war, übernahm der 24jährige P. 19. Dez. 1783 als erster Schatzlord und Schatzkanzler die Leitung der Geschäfte. Mit einer Sicherheit ohne gleichen hielt er sich gegenüber der höhnenden und lärmenden Unterhausmehrheit, während im Lande die Stimmung täglich für ihn günstiger wurde. Die Neuwahlen im Frühjahr 1784 brachten dem jungen Staatsmann eine überwältigende Mehrheit. Er machte im Parlament der seit Georgs Ⅲ. Regierungsantritt herrschenden Parteizerklüftung ein Ende und er, der als Whig begonnen hatte, schuf aus seinen Anhängern eine neue Torypartei, die zwei Jahrzehnte hindurch die unerschütterte Mehrheit behielt, und über die P. mit seiner nüchternen sachlichen Beredsamkeit, seiner Uneigennützigkeit, seinem Mut, aber auch seinem übergroßen Stolz und eifersüchtigen Ehrgeiz unbedingt gebot. 1784 brachte er eine neue ostind. Bill mit vernünftig verteilter Regierungskontrolle durch, dann ging er an die Reform auf dem Gebiet, das er vor allem beherrschte, dem seit dem unglücklichen amerik. Kriege völlig zerrütteten Finanzwesen. Die öffentlichen Ausgaben wurden vermindert, und da die Industrie und mit ihr der weise geförderte Handel hohen Aufschwung nahm, so stiegen die Einnahmen, und er erzielte bald beträchtliche Überschüsse. Von geringem Erfolg waren dagegen seine öfter wiederholten Bemühungen für eine Reform des Parlaments, der besonders die Reaktion, welche die Französische Revolution in England hervorrief, hindernd in den Weg trat. Gegenüber Fox’ Freudenrausch über die Neugestaltung in Frankreich und Burkes heftigem Eifern gegen dieselbe bewahrte P. strenge Unparteilichkeit und wünschte vor allem den Frieden aufrecht zu erhalten. Aber die von Frankreich aus unterstützte revolutionäre Propaganda in England und Irland zwangen bald zu einem Milizaufgebot und strenger Fremdenpolizei, dann brachte Englands Eintreten für die Niederlande die franz. Kriegserklärung 1. Mai 1793, und trotz seiner ersten Mißerfolge, trotz ungeheurer Opfer und trotz gleichzeitiger Erhebung Irlands unter Fitzgerald war der Krieg (s. Französische Revolutionskriege) populär. Der irische Aufstand wurde unterdrückt, und die Erfolge zur See, besonders Nelsons Sieg bei Abukir (1798), brachten dem Kriege neuen Aufschwung. Die zweite europ. Koalition von 1799 nach dem Zerfall der ersten war vornehmlich P.s Werk. Napoleons Friedensanträge nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire (9. Nov. 1799) wurden abgewiesen. Die irischen Empörungen hatten inzwischen als einziges Mittel einer Beherrschung derselben die feste Vereinigung beider Inseln miteinander immer deutlicher erkennen lassen, und nachdem für deren Durchführung in Irland selbst die ausgiebigste Bestechung angewandt worden war, wurde sie Juni 1800 zu stande gebracht. P.s Wunsch war es, das Einigungswerk zu vollenden und die bürgerlichen Beschränkungen der Katholiken, welche die überwiegende Bewohnerzahl Irlands bildeten, zu beseitigen. Dieser Plan der Katholikenemancipation stieß jedoch auf Georgs eigensinnigen Widerstand, er entließ lieber den Minister 10. Sept. 1801 aus seinem Amt als daß er nachgegeben hätte. Unter dem folgenden Ministerium Addington wurde 27. März 1802 der Friede von Amiens mit Napoleon Ⅰ. geschlossen, aber die gewaltigen Ausbreitungspläne desselben führten schon im Mai 1803 zu neuer Kriegserklärung, und der allgemeinen Forderung der Nation folgend, trat P. wieder an die Spitze der Verwaltung und brachte die dritte Koalition von 1805 gegen Napoleon zu stande. (S. Französisch-Österreichischer Krieg von 1805.) Er erlebte noch den Sieg Nelsons bei Trafalgar (21. Okt. 1805), aber auch die Katastrophe auf dem Festland, den Fall Ulms und die Niederlage bei Austerlitz (2. Dez. 1805). Den übermenschlichen Anstrengungen und Aufregungen erlag sein nie kräftiger Körper; er starb 23. Jan. 1806 in Putney (Surrey), erst 47 J. alt. Sein Vaterland ehrte ihn wie seinen Vater, dieselbe Gruft in der Westminsterabtei umschließt die Gebeine der beiden P., der größten engl. Staatsmänner des 18. Jahrh. Ein Bronzestandbild wurde ihm u. a. in London (von Chantrey) auf Hanover-Square errichtet. Seine Hauptreden erschienen in drei Bänden zu London; die «Correspondence between P. and Charles, Duke of Rutland» erschien London 1890. – Vgl. Gifford, A history of the political life of William P. (3 Bde., Lond. 1809); Tomline, Memoirs of the life of P. (3 Bde., ebd. 1821); Lord Stanhope, Life and times of William P. (4. Aufl., 3 Bde., ebd. 1879); Lecky, History of England in the eighteenth century, Bd. 4 fg. (ebd. 1882 fg.); E. Walford, Biography of W. P. (ebd. 1890); Lord Rosebery, Pitt (ebd. 1892). ^[Spaltenwechsel]

Pittăkal, Farbstoff, s. Eupitton.

Pittăkus, aus Mytilene auf Lesbos, einer der sog. Sieben Weisen. Seine Lebenszeit fällt in den Ausgang des 7. und den Anfang des 6. Jahrh. v. Chr. P. befreite seine Vaterstadt von den Wirren der Tyrannis und Adelsherrschaft und schuf als sog. Äsymnet eine vortreffliche Gesetzgebung, nach deren Einführung er freiwillig die ihm übertragene Gewalt niederlegte.

Pitten, Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Neunkirchen in Niederösterreich, im Thal der obern Leitha, an der Eisenbahn Wien-Aspang, hat (1890) 1380, als Gemeinde 1669 E., bedeutenden Bergbau auf Eisen, Fabrikation von Eisengußwaren und Papier. P. wird als Sommerfrische besucht. – Im Mittelalter war P. Hauptort der gleichnamigen Markgrafschaft. In der Nähe Schloß und Ruinen der alten Grenz- ^[folgende Seite]