Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

993

Rose (Pflanzengattung)

men von den schlanken Zweigen getragen werden. Man hat mehrere Hunderte von Varietäten, von denen viele leider in Deutschland im Winter sehr häufig trotz sorgfältiger Bedeckung leiden und völlig zu Grunde gehen. Besonders empfindliche Sorten müssen deshalb im Herbst aus der Erde genommen und in einem trocknen, völlig frostfreien Raum überwintert werden. Die Bourbonrose (Rosa borbonica Hort.), wahrscheinlich ein Blendling aus der China- und der Damascener R., gegenwärtig mit mehr als 300 Varietäten, ist reich an eigentümlichen Schönheiten und von der Mitte des Sommers bis in den späten Herbst hinein geringe Pflege durch den reichsten Flor lohnend. Die Zweige, gewöhnlich kurz und dicker als die der Thee- und der Bengalrose, tragen nur je eine Blume. Die Blütenfarben sind von wunderbarer Reinheit und durchlaufen die ganze Skala vom zartesten Weiß bis zur dunkelsten roten Nuance. Die Blütenblätter sind groß und glatt und die Laubblätter glänzend. Eine der besten dieser Gruppe ist die zwar schon alte, aber von keiner neuern übertroffene Sorte Souvenir de la Malmaison (Fig. 10). Die Noisetterose (Rosa Noisetteana Red.), eine Blendlingsform aus Rosa chinensis und der zwar schönen, aber gegen unsern Winter empfindlichen Moschusrose (Rosa moschata Mill.), in Nordamerika erzogen und 1817 nach Paris gekommen, ist gekennzeichnet durch einen eirunden Fruchtbecher und durch die zu mächtigen, dichten Büscheln gesammelten, etwas kleinen Blumen. Aus ihr sind gegen 100 Varietäten hervorgegangen, die erst nach dem großen Sommer-Rosenflor zu blühen beginnen. Rosa polyantha hybrida Hort. ist eine wegen der Kleinheit ihrer Blüten Miniaturrosen genannte Gruppe, die sich durch einen ganz außerordentlichen Blütenreichtum, lange Blütezeit und sehr niedrigen Wuchs auszeichnet und sich wegen dieser Eigenschaften in neuester Zeit einer großen Beliebtheit erfreut. Zu den bekanntesten Sorten gehören: Paquerette oder Gänseblume (Fig. 2) mit kleinen weißen, und Mignonette (Fig. 4) mit hellroten Blumen. Die bekannteste und verbreitetste Sorte dieser Gruppe ist: Maréchal Niel (Fig. 8), die schönste gelbe R., die vielfach auch als Theerose angesehen wird. Die Remontantrose, d. h. aus den Sommertrieben blühende R. (Rosa hybrida bifera Hort.), ist die größte und für Deutschland wertvollste, mehr als 500 Varietäten umfassende Gruppe von Blendlingen aus der Damascener und der Chinarose, die vorzugsweise in Frankreich aus Samen erzogen werden. Die ersten R. dieser Gruppe bezeichnete man als Herbstrosen, da sie im Herbst zum zweitenmal blühten. Der Ausgangspunkt aller Varietäten war die 1812 erzogene R. du Roi. Ihre Nachkommenschaft ist im botan. Charakter die schwankendste, im blumistischen Sinne die wichtigste und zeichnet sich durch reichen Flor, gefällige Blütenformen, prächtige Farben, unter denen jedoch Gelb fehlt, und durch lange Florzeit (Juni bis in den Spätherbst) aus. Obgleich nur wenige Sorten in Deutschland völlig winterhart sind, so halten doch die meisten den Winter unter guter Bedeckung im freien Lande aus. Gloire de Margottin (Fig. 7) ist eine der schönsten Sorten mit leuchtendroten, Prince Camille de Rohan (Fig. 12) eine der besten mit schwarzroten Blumen.

Zwischen den vier Hauptgruppen, Klassen oder Rassen der edlen Gartenrose, den Thee-, Bourbon-, Noisette- und Remontantrosen, befinden sich zahlreiche Übergänge, und eine neue Zwischengruppe, die Theehybriden (Rosa fragrans Red. hybrida), die die Vorzüge der Thee- und der Remontantrose in sich vereinigen. Zu den schönsten Sorten dieser Gruppe geboren: La France (Fig. 9) und Kaiserin Augusta Victoria (Fig. 6). Der «Verein deutscher Rosenfreunde» hat durch mehrjährige Abstimmungen seiner Mitglieder von jeder Klasse und Farbe der Edelrosen je fünf bis zehn Sorten als die schönsten und dankbar blühendsten festgestellt, wodurch Liebhabern ein sicherer Anhalt bei Wahl der Sorten gegeben ist. – Vgl. C. P. Straßheim, Rosenabstimmung seitens der Mitglieder des Vereins deutscher Rosenfreunde (Sachsenhausen-Frankfurt a. M. 1889).

Die Edelrosen erfordern zu ihrem Gedeihen einen nahrhaften, tiefgründigen, weder zu nassen noch zu trocknen Boden, und eine freie, sonnige Lage. In eng umschlossenen Stadtgärten erfordern sie einen häufigen Ersatz. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst oder das zeitige Frühjahr. Stammrosen pflanzt man am besten ein- oder mehrreihig auf Rabatten oder auf größere im Rasen liegende Beete. Als Untergrund können dort auch wurzelechte R., besonders Monatsrosen und einige Bourbon-, Thee- und Remontantrosensorten gepflanzt und mit ihren Stengeln auf die Erde festgehakt werden. Für eine größere Sammlung empfiehlt sich die Anlage eines besondern Rosariums oder Rosengartens. Die Kronen der Stammrosen müssen zeitig im Frühjahr geschnitten und ausgelichtet werden. Hierbei entfernt man zuerst alle schwachen und kranken Zweige und schneidet die gesunden, kräftigen vorjährigen Triebe bis auf ein Drittel ihrer Länge zurück. Im Sommer nach der Blüte ist nur das Abschneiden der abgeblühten Blume mit ihren Stielen, bis auf die darunter sitzenden Blattknospen und das Einstutzen einzelner zu lang gewordener Triebe erforderlich. Eine besondere Sorgfalt erfordert der Winterschutz der R., besonders der Thee-, Noisette- und Bourbonrosen. Die Kronen werden bis zur Erde niedergebogen, dort befestigt und mit Sand, Erde, Kiefernadeln oder Fichtenreisig bedeckt oder auch in die Erde eingegraben, wenn der Boden leicht und nicht zu naß ist. Im Frühjahr befreit man die Kronen zuerst von ihrer Decke, läßt sie noch einige Zeit auf dem Boden liegen, schneidet sie dann und bindet die Stämme sorgfältig an Pfähle, die bis in die Kronen hineinreichen. Die Edelrosen werden durch Okulieren auf Stämme der Hundsrose oder den Wurzelhals derselben, wenn man sie in niedriger Buschform ziehen will, wurzelechte Exemplare durch Stecklinge im Mistbeet vermehrt. Die Vermehrung der Centifolien und anderer gewöhnlichen Gartenrosen findet durch Ableger und Stockteilung statt.

Die Zahl der Rosenfreunde hat sich in neuester Zeit wesentlich erhöht, der Bedarf an Rosenstöcken bedeutend zugenommen und die Verwendung der Rosenblumen für alle Zwecke der feinern Binderei eine früher nie geahnte Ausdehnung gewonnen. Für diesen Zweck werden im Winter aus der Riviera von allen nördlich gelegenen Ländern Tausende abgeschnittener Blumen bezogen. Außerdem beschäftigen sich in diesen Ländern zahlreiche Handelsgärtner fast ausschließlich mit der Treiberei der R. im Winter bis zum Frühjahr. Die Anzucht der Rosenstämme wird meistens von besondern Specialisten (Rosengärtnern oder Rosisten) zum Teil in großem Umfange betrieben. Den neuesten Zweig der Rosenkultur bildet die Zucht der R. zum Zweck