857
Senegawurzel – Senfgeist
Reichsregierung ein Abkommen, wonach die volle Souveränität der Franzosen über die Gebiete zwischen dem Rio Nuñez und Mellacori gegen Aufgabe ihrer Ansprüche auf Porto-Seguro und Klein-Popo in Deutsch-Togo zur Anerkennung gelangte.
Geschichte. Die ersten franz. Faktoreien wurden 1626 an der Mündung des Senegal und in den zunächst liegenden Gebieten gegründet. Durch den Nimweger Frieden 1679 erwarb Frankreich von Holland Gorée, Rufisque, Portudal und Joal und 1696 die Küstenstrecke von Kap Blanco bis zum Senegal. 1847 bedrohte der eingeborene Fürst Hadj Omar die aufblühende Kolonie; General Faidherbe unterwarf 1854‒55 die rebellische Bevölkerung in der Umgegend von St. Louis und die Trarsa, Brakna und Duaisch am rechten Ufer des Senegal. Nach mehrern siegreichen Feldzügen zwang er 1860 Hadj Omar zur Anerkennung der franz. Herrschaft über die Landschaften Dimar, Toro, Futa, Bondu und Bambuk. Mit dem Besitz von Bambuk war man in das fruchtbarere Hinterland, in den heutigen franz. Sudan eingedrungen; Schritt für schritt dehnte sich der durch Erbauung von Forts gesicherte Machtbereich nach Osten aus. Unter der Führung von Hauptmann Gallieni und Oberst Desbordes wurden Bafulabe 1880, Kita 1881 und Kundu 1882 besetzt und befestigt. So erreichte man endlich 1883 und 1884 in Bammako und Kulikoro den Niger und gewann, nachdem in blutigen Kämpfen Samory 1887 überwunden worden war, durch einen Schutzvertrag mit Amadu von Segu endlich 1888 die Beherrschung des ganzen Flusses bis in die Nähe von Timbuktu. Timbuktu war längst das Ziel der kolonialpolit. Sehnsucht Frankreichs in Nordwestafrika gewesen. Um es zu erreichen, galt es, die Landschaften, welche die Stadt im Süden und Westen schützend umgaben, zu erobern. Erst als Oberst Archinard 1891 Kaarta und 1893 Massina durch den Sieg über Amadu bei Bandjagara unterworfen hatte, gelang es Oberst Bonnier 10. Jan. 1894, die Stadt Timbuktu in die Gewalt Frankreichs zu bringen. Noch einmal erhob sich Alikari, der Nachfolger Amadus in Bandjagara; allein vergeblich. Auch die Irregenaten, ein Stamm der Tuareg, schlossen endgültigen Frieden mit ihnen im Aug. 1894.
Wie im Norden und Osten, griff auch im Süden die Machtsphäre Frankreichs immer weiter um sich. Oberst Combes hatte schon 1884‒85 das Land Birgo am obern Bakhoi und dann Bure am obern Niger besetzt und dadurch den bisher allmächtigen Almamy Samory (oder Samadu) nach Süden gedrängt und zu einem vorläufigen Friedensvertrag 1887 gezwungen. Da aber Samory in den folgenden Jahren fortwährend die Bestimmungen des Abkommens verletzte, entschloß man sich, ihn und sein neugegründetes Reich Wassulu vollständig zu vernichten. Hartnäckig und langwierig wurde auf beiden Seiten der Krieg geführt. Im Febr. 1891 wurde Samory bei Kankan am Milo (südl. Zufluß des Niger) besiegt und 1892 aus Bissandugu, Sanankoro und Keruane durch Oberst Humbert vertrieben und Anfang 1893 wurden seine landsknechtartigen Banden, die Sofa, bei Farana und Erimankano (an der Grenze von Sierra Leone) zerstreut; entscheidend waren die Siege des Obersten Combes bei Odschenne und Geleba im Febr. 1893, die Samory zwangen, sich in die Gegend von Kong zurückzuziehen.
Litteratur. Raffenel, Voyage dans l’Afrique occidentale (Par. 1846); Le Brun-Rénaud, Les possessions françaises de l’Afrique occidentale (ebd. 1885); Faidherbe, Le Soudan français (Lille 1886); Ancelle, Les explorations au Senegal (Par. 1887); Gallieni, Une colonne dans le Soudan français (ebd. 1888); Faidherbe, Le Sénégal (ebd. 1889); Péroz, Au Soudan français (ebd. 1889). ^[Spaltenwechsel]
Senĕgawurzel, s. Polygala.
Senegīn, s. Saponin.
Senescénz (lat.), Altersschwäche (s. d.).
Seneschall oder Seneschalk (d. i. ältester Diener, vom lat. senes und althochdeutschen scalc), seit der Zeit der merowing. Könige der Titel eines Hofbeamten in Frankreich, der das Innere des königl. Hauswesens zu besorgen und auch richterliche Funktionen hatte. Er erinnert an den Hausmeier und entspricht dem Truchseß am Hofe der deutschen Könige. Auch die alten Lehnsfürsten, die Herzöge von Normandie, Bretagne, Guyenne, Burgund, die Grafen von Flandern, Champagne, Toulouse u. s. w., hatten ihre S. mit richterlichen Funktionen. Als diese Besitzungen an die Krone fielen, wurden diese Gerichtsbezirke (sénéchaussées) durch königl. Beamte, die ebenfalls S. hießen, verwaltet. Der S. des königl. Hofs hieß Grand Sénéchal.
Senestrey, Ignaz von, Bischof von Regensburg, geb. 13. Juli 1818 zu Bärnau in der Oberpfalz, studierte in Bamberg und im Jesuitenkollegium zu Rom, wurde daselbst 1842 zum Priester geweiht und 1858 zum Bischof von Regensburg ernannt. S. unterdrückte jede freiere Regung im Klerus mit äußerster Strenge. Zu Gunsten der Jesuiten vertrieb er die schott. Benediktinermönche aus ihrem Kloster in Regensburg und übergab dasselbe der Gesellschaft Jesu. Gegen das Verbot von Jesuitenniederlassungen in Bayern veröffentlichte er 1867 eine umfangreiche Denkschrift. Auf dem Vatikanischen Konzil zählte er zu den eifrigsten Vorkämpfern der Unfehlbarkeitslehre. Auch nachmals erwies sich S. als Führer des bayr. Ultramontanismus und Gegner der deutschen Reichsregierung.
Senex (lat.), Greis.
Senf oder Mostrich, ein breiartiges Gewürz, das aus dem sehr fein gepulverten Samen von Brassica nigra Koch (s. Brassica) und Sinapis alba L. (s. Sinapis) durch Vermischung mit Essig, Most, saurem Wein oder auch Wasser und Zucker unter Zusatz verschiedener aromatischer Stoffe, wie Knoblauch, Estragon, Zimmet, Kardamomen, Nelken u. s. w. hergestellt wird. Der früher gebräuchliche, aus grobem Senfmehl bereitete deutsche Mostrich ist durch den in Frankreich oder nach franz. Art (französischer und englischer S., letzterer mit Cayennepfeffer vermischt) in Deutschland bereiteten Tafelsenf verdrängt worden. Fabrikationsorte sind Dijon, Fahr bei Koblenz, Düsseldorf, Berlin u. a.
Senfbäder, s. Bad (Bd. 2, S. 254 a).
Senffl, Ludwig, Musiker, geb. 1492 zu Basel-Augst bei Basel, gest. um 1555 als Kapellmeister zu München, war einer der größten deutschen Kontrapunktisten des 16. Jahrh. Die Chorwerke S.s, der Luthers Lieblingskomponist war, zeichnen sich durch einen Reichtum natürlich eingefügter lieblicher Figuren aus. Ein Teil davon blieb Manuskript (in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek), die meisten erschienen in den Sammelwerken des Jahrhunderts, aus denen einzelne wenige in neuester Zeit durch Winterfeld, Rochlitz, Kade u. a. in Partitur gebracht und veröffentlicht worden sind.
Senfgeist, s. Senföl.