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Derwisch Pascha – De Sanctis (Francesco)
lässigung der grundlegenden Gesetze des Islam bemerkbar machen (sie werden persisch Asâd, d. h. Freie, oder Bî Scher’, Gesetzlose, genannt); unter ihnen sind die Kalenderderwische die bekanntesten. Der Widerwille der orthodoxen Ulema’ trifft diese letztern D. mehr als die dem Religionsgesetz sich unterwerfenden Orden, gegen welche sich die Orthodoxie zumeist wegen ihrer dogmatischen Unkorrektheit und ihrer mit Musik und Tanz verbundenen unkanonischen Riten zwar ablehnend, aber nicht völlig ausschließend verhält. Viele Derwischorden haben durch ihre in der ganzen mohammed. Welt herumbettelnden Mitglieder auch auf die polit. Bewegungen des Islam als Agitatoren Einfluß geübt. In neuerer Zeit sind in Nordafrika neue Orden entstanden, deren Tendenz auf die Vernichtung des europ. Übergewichtes in den afrik. Ländern des Islam abzielt. Unter diesen ist der Senußî-Orden (s. Snussi) der hervorragendste. – Vgl. J. ^[John] P. Brown, The Dervishes or Oriental spiritualism (Lond. 1868); über die Bektâschi: Lamartine, Souvenirs, impressions, pensées et paysages pendant un voyage en Orient (4 Bde., Par. 1835 u. ö.).
Derwisch Pascha, Ibrahim, türk. General und Staatsmann, geb. 1817 in Ejub, einer Vorstadt von Konstantinopel, trat früh in die Armee, war beim Ausbruch des Krimkrieges (1853) Oberst, übernahm 1862 als Divisionsgeneral den Oberbefehl über ein Operationskorps gegen Montenegro und wurde nach Beendigung des Feldzugs zum Muschir (Marschall) ernannt. Später war er mehrmals gleichzeitiger Chef der Militär- und Civiladministration von Albanien und Syrien. 1873 wurde D. P. in eine aus Anlaß der damaligen Reorganisation der osman. Armee eingesetzte Specialkommission als Mitglied berufen und bald darauf zum Generalgouverneur und Militärkommandanten von Bosnien und der Herzegowina ernannt. Da er aber in der Bekämpfung des Aufstandes 1875 kein Glück hatte, verlor er diesen Posten und befand sich längere Zeit in Ungnade. Erst bei Ausbruch des Russisch-Türkischen Krieges wurde ihm 1877 wieder der Oberbefehl über das bei Batum aufgestellte Korps übertragen, und hier glückte es ihm, mit schwächern Kräften und ohne starke Befestigungen einen mit zahlreicher Artillerie versehenen Gegner in Schach zu halten. Im Frühjahr 1879 kehrte D. P. nach Konstantinopel zurück, nachdem er kurze Zeit die Stelle eines kommandierenden Generals des 4. Armeekorps in Erzerum bekleidet hatte. Als er 1880 zum Pfortenkommissar für Albanien ernannt wurde, mit der Aufgabe, den Widerstand der Albanesen gegen die Übergabe Dulcignos an Montenegro zu brechen, gelang es ihm die Albanesen zu schlagen, sich aller namhaften Führer zu bemächtigen und sie gefangen nach Konstantinopel einzuliefern. Im Juni 1882 wurde D. P. nach Ägypten gesandt, um in dem Streit zwischen dem Chediv und Arabi Pascha zu vermitteln; doch endete seine Sendung erfolglos. Seit 1888 ist er Generaladjutant des Großherrn.
Des (ital. re bemolle; frz. ré bémol; engl. d flat), in der Musik das um einen halben Ton erniedrigte D, bezeichnet durch die Note für D mit vorgezeichnetem ♭.
Dés, Deés (spr. déehsch), rumän. Deśiu, Stadt mit geordnetem Magistrat in Siebenbürgen und Hauptstadt des ungar. Komitats Szolnok-Doboka, am Zusammenfluß des Kleinen, Großen und Alten Szamosflusses, in 251 m Höhe, zwischen waldigen Bergen gelegen und an den Linien D.-Besztercze (Bistritz) und Klausenburg-D.-Zilah der Szamosthaler Eisenbahn, deren Direktorium hier seinen Sitz hat, ist gut gebaut, hat (1890) 7728 magyar. E. (1791 Rumänen, 203 Deutsche), darunter 2887 Reformierte, 1601 röm., 1731 griech. Katholiken und 1114 Israeliten, Post, Telegraph, eine reform. Kirche (15. Jahrh.) im got. Stil, eine römisch- und eine griech.-kath. Pfarrkirche, ein Franziskanerkloster, ein schönes Rat- und Komitatshaus, große Eisenbrücke, ein Spital, einen alten fürstl. Thökölyschen Palast, ungar. Nationaltheater, Finanzdirektion, Kreditbank, Sparkasse; sehr besuchte Salzbäder, Dampfmühle, Brennerei, Acker- und Weinbau. Gegenüber der eine schöne Aussicht bietende Belaberg mit Schießstätte. In der Nähe das großartige Salzbergwerk Dés-Akna (1879 rumän. und magyar. E.), das jährlich über 10000 t Salz liefert, mit einer schon im 15. Jahrh. bebauten Grube. Ein Teil des Bergwerks ist 1839 eingestürzt.
Desaguadēro, zwei Flüsse in Südamerika. 1) Fluß in den Cordilleren, führt das Wasser des Titicacasees in Peru nach dem südöstlich davon gelegenen See Aullagas in Bolivia. Sein Bett liegt in einem 3800 m hohen Thale einer Hochfläche, zwischen parallelen Gebirgszügen. Er hat einen reißenden Lauf von 300 km Länge. – 2) Fluß in der Argentinischen Republik, im W. der Laguna Bebedero, bildet zum Teil die Grenze zwischen den Provinzen Mendoza und San Luis.
Desaignes (spr. -ßänj), Flecken im Kanton Lamastre, Arrondissement Tournon des franz. Depart. Ardèche, 5 km westlich von Lamastre, an dem rechts zur Rhône gehenden Doux, hat (1891) 559, als Gemeinde 3600 E., Post, eine prot. Kirche; Mühlen, Seidenfabriken und Handel mit Getreide und Wein. In der Nähe Ruinen eines alten Schlosses und eine kalte alkalische Heilquelle.
Desaix de Voygoux (Veygoux, spr. -ßäh dĕ wŏăguh, weguh), Louis Charles Antoine, franz. General, geb. 17. Aug. 1768 zu St. Hilaire d’Ayat, wurde mit 15 Jahren Unterlieutenant, zeichnete sich vielfach in den franz. Revolutionskriegen aus und schwang sich schnell empor. 1794 bereits Divisionsgeneral, begleitete D. 1798 Bonaparte nach Ägypten, that sich hier besonders in der Schlacht bei den Pyramiden hervor und wurde mit der gänzlichen Vertreibung Murad Beis und der Verwaltung Oberägyptens beauftragt, wo er sich durch seine Rechtschaffenheit bei den Arabern den Namen «Der gerechte Sultan» erwarb. 1800 kehrte er nach Frankreich zurück, folgte Bonaparte nach Italien und brachte durch sein energisches Eingreifen in der Schlacht bei Marengo die siegreiche Entscheidung für die Franzosen, fand aber zugleich von einer Kugel getroffen den Heldentod. – Vgl. Marthe-Becker, Études historiques sur le générale D. (Clermont 1852).
Dés-Akna, s. Dés.
De Sanctis, Francesco, ital. Staatsmann und Litterarhistoriker, geb. 28. März 1817 zu Morra Irpino im Salernitanischen, wurde 1837 Lehrer an der militär. Bildungsanstalt der Nunziatella in Neapel und gründete daneben selbst eine Schule für das Studium der Sprache und Litteratur. 1843 war er Unterstaatssekretär im Unterrichtsministerium in Neapel; 24. Dez. 1850 wurde er in Cosenza verhaftet und 3 Jahre im Castel dell’ Ovo ohne Untersuchung festgehalten. Es gelang ihm dann nach Malta zu entkommen, von wo aus er sich nach