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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hever – Hexagonale Pyramide

ihrer Feste Brennabor ihr ganzes Land gewann. Nach wiederholtem Abfall der H. vom Deutschen Reich glückte es Otto Ⅰ. und dem Markgrafen Gero, sie mit Hilfe der Verräterei ihres Fürsten Tugumir 940 so völlig zu unterjochen, daß in ihrer Mitte das Bistum Brandenburg gegründet werden konnte. Weitere Empörungen derselben waren nicht selten, bis Albrecht der Bär sie im 12. Jahrh. unterwarf.

Hever, Meeresstrom der Nordsee, nördlich von Eiderstedt, greift mit zwei Armen, südlich von Pellworm und von Nordstrand, in die Watten ein.

Heves (spr. hewwĕsch). 1) Komitat des Königreichs Ungarn, grenzt im N. an die Komitate Neográd und Gömör, im O. an Borsod und das Haidukenkomitat, im W. an Pest-Pilis-Solt und Neográd. Das Komitat, das 1876 ein Drittel seines frühern Umfangs im S. an das neugebildete Komitat Jazygien-Großkumanien-Szolnok abgeben mußte, hat 3878,35 qkm, (1890) 233785 meist magyar. kath. E. (1568 Deutsche, 1079 Slowaken), darunter 17798 Reformierte, 906 Lutherische und 10873 Israeliten. Das Land ist fast durch gehends eben, mit Ausnahme des äußersten nördl. Teils, wo sich das 45 km lange Matragebirge (1009 m) befindet, das unter anderm vortreffliche Weine liefert, von denen der Egyeder selbst im Auslande gesucht ist. Bewässert wird das Komitat von der Theiß und ihren Zuflüssen Zagyva und Erlau. Der Boden ist fruchtbar; an allen Getreidearten, auch an Mais und Tabak, ist H. eins der reichsten Komitate. Der Tabak von Debrö und Verpelét gehört zu den besten ungar. Erzeugnissen. Gewerbe und Handel sind blühend und werden durch die großen Gyöngyöser und Erlauer Wochen- und Jahrmärkte sehr gefördert. H. umfaßt die Städte mit geordnetem Magistrat Erlau (Komitatssitz) und Gyöngyös und 7 Stuhlbezirke. – 2) Groß-Gemeinde und Hauptort des Stuhlbezirks H. (30196 E.), liegt in der Ebene, westlich von der Theiß, an der Linie Kis-Terenne-Kis-Ujszállás der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 7271 magyar. kath. E., darunter 346 Evangelische und 539 Israeliten, Hanf-, Flachs-, Getreide-, Wein-, Melonen- und Tabakbau. Nahebei die Ruinen eines alten Schlosses und eine Fasanerie.

Hevesi (spr. héwweschi), Ludwig, deutsch-ungar. Schriftsteller, Pseudonym Onkel Tom, geb. 20. Dez. 1843 zu Heves in Ungarn, studierte in Wien Medizin und klassische Philologie, ward 1865 Journalist, 1866 Feuilletonist des «Pester Lloyd». Seit 1875 ist er in Wien ansässig als Mitredacteur, Kunst- und Theaterkritiker des dortigen «Fremdenblattes». Auch schrieb er 1871‒74 die ersten sieben Bände der Wiener Jugendzeitschrift «Kleine Leute» ganz allein. Seine Novellen, die er in den Sammlungen «Auf der Schneide» (Stuttg. 1884), «Neues Geschichtenbuch» (ebd. 1885), «Auf der Sonnenseite» (ebd. 1886), «Buch der Laune» (ebd. 1890) und «Regenbogen» (illustriert von Wilh. Schulz, ebd. 1892) veröffentlichte, zeugen von H.s scharfer Beobachtungsgabe und einer originellen humoristischen Beanlagung. Ernst und Scherz mischen sich auch in dem Roman «Die tote Nachtigall» (illustriert von W. Schulz, Stuttg. 1894). Außerdem schrieb er: «Sie sollen ihn nicht haben. Heiteres aus ernster Zeit» (Lpz. 1871), «Des Schneidergesellen Andreas Jelky Abenteuer in vier Weltteilen» (Pest 1875), «Almanaccando» (Stuttg. 1888), eine Auswahl von eigentümlichen humoristisch-poet. Studien über entlegene Winkel Italiens, ferner «Ein engl. September» (ebd. 1891), «Von Kalau bis Säkkingen» (ebd. 1893) u. a. Auch war H. Mitbegründer des beliebten ungar. Witzblattes «Borsszem Jankó», und es erschienen von ihm in ungar. Sprache gesammelt «Karczképek» («Radierungen», Kulturbilder aus Budapest, Pest 1876); endlich schrieb er im Auftrag des Magistrats von Pest das in ungar. und deutscher Ausgabe erschienene Werk «Budapest und seine Umgebungen» (1873). ^[Spaltenwechsel]

Hevīter, Hivviter, Cheviter, d. i. «Gehöftbewohner», kanaanit. Völkerschaft, die zur Zeit der Einwanderung Israels Sichem, Gibeon und die Landschaften am Hermon und Libanon bewohnte.

Héviz (spr. hehwis, d. i. Warmwasser), Bad im ungar. Komitat Zala, nordwestlich von Keszthely (s. d.) am Plattensee, hat in einer kesselförmigen Vertiefung mehrere heiße Quellen (40° C.), welche zu den indifferenten Thermen gehören und den zum Baden benutzten Teich H. bilden, eine Badeanstalt und am westl. Ufer des Sees einen Park.

Hewel, Hewelke, s. Hevelius, Johs.

Hewitson (spr. júits’n), William, engl. Naturforscher, geb. 9. Jan. 1806 zu Newcastle, bildete sich zum Feldmesser aus, widmete sich aber später ganz den Naturwissenschaften und starb 28. Mai 1878. Namentlich verdient ist er um die Schmetterlingskunde. Er veröffentlichte: «British oology» (1831; neue Bearbeitung u. d. T.: «Illustration of the eggs of British birds», 2 Bde., 1846; 2. Aufl. 1853), «Exotic butterflies» (seit 1852 in Vierteljahrsheften; auch in 2 Bdn., 1852‒60), «Illustrations of diurnal lepidoptera» (4 Tle., 1868‒69).

Hex…, vor Konsonanten Hexa… (grch.), in Zusammensetzungen: sechs, besonders bei chem. Benennungen soviel wie sechsfach… So ist Hexahydrobenzol das mit sechs Wasserstoffatomen verbundene Benzol, also C₆H₆, Hexaoxybenzol ein Benzol, dessen sechs Wasserstoffatome durch Hydroxylgruppen ersetzt sind, also C₆(OH)₆.

Hexachlōrbenzōl, s. Chlorkohlenstoff.

Hexachórd (grch.), eine Reihe von sechs stufenweise aufeinander folgenden Tönen der Dur-Tonleiter, z. B. in C-dur:. c d e f g a; in G-dur: g a h c d e u. s. w. Wie das Tetrachord (s. d.) als die Tonleiter der Griechen, so ist das H. von Guido von Arezzo ab als die Tonleiter des Mittelalters anzusehen. Die sechs Töne des H. wurden mit den sechs Silben ut re mi fa sol la bezeichnet und bildeten als Solmisation (s. d.) die Grundlage der mittelalterlichen Tonlehre.

Hexadecȳlalkohol, s. Cetylalkohol.

Hexādisch (grch.), die sechs zur Grundzahl habend.

Hexaēder (grch.) oder Würfel, Krystallform des regulären Systems, umschlossen von 6 gleichen Quadraten, mit 12 gleichen Kanten (Kantenwinkel 90°) und 8 dreiflächigen Ecken. Krystallographisches Zeichen: ∞ O ∞. (S. Tafel: Krystalle Ⅰ, Fig. 2.)

Hexaēmeron (grch., «Werk von sechs Tagen»), Titel des die sechs Tage der Schöpfung behandelnden Gedichts «De Deo» des Dracontius (s. d.).

Hexagōn (grch.), Sechseck.

Hexagonāle Pyramide oder Dihexaeder, dem hexagonalen Krystallsystem angehörige, von 12 gleichschenkligen Dreiecken umschlossene Form, deren Mittelkanten in einer Ebene liegen und ein reguläres Hexagon bilden. Sie besitzt 12 gleiche Polkanten und 6 gleiche Mittelkanten, 2 Polecken und 6 Mittelecken. Man unterscheidet die vollflächigen Pyramiden in solche erster Ordnung (Proto- ^[folgende Seite]