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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Koster; Kostgeschäft; Kostin-Scharr; Kostkinder; Köstlin; Kostnitz; Kostnitzer Konzil

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Koster – Kostnitzer Konzil

und nach ihrer Vermählung 1844‒45 am Breslauer Stadttheater engagiert, gehörte seit 1847 dem Berliner Hoftheater an und zog sich 1862 von der Bühne zurück. Seit 1889 lebt das Ehepaar auf Villa Priorsberg bei Neuzelle in der Mark.

Koster, Buchdrucker, s. Coster.

Kostgeschäft, s. Kost.

Kostin-Scharr, Meerenge im Nördlichen Eismeer, die die Insel Meshduscharr vom westl. Ufer der südl. Halbinsel von Nowaja-Selmja ^[richtig: Nowaja-Semlja] trennt, 45 km lang, in der Geschichte der Polarreisen viel genannt.

Kostkinder, Haltekinder, Ziehkinder, meist uneheliche Kinder, die fremden Leuten (Haltefrauen) gegen ein bestimmtes, oft sehr geringes Kostgeld zur Auferziehung anvertraut sind. Über die hierbei zu Tage tretenden Mißbräuche und verbrecherischen Nachlässigkeiten s. Engelmacherei.

Köstlin, Christian Reinhold, Jurist und Novellendichter, geb. 29. Jan. 1813 zu Tübingen, studierte 1829‒34 zu Tübingen, Heidelberg und Berlin die Rechte, habilitierte sich 1839 in Tübingen und wurde 1840 zum außerord. und 1851 zum ord. Professor ernannt. Er starb 14. Sept. 1856. Eine große Anzahl lyrischer Gedichte und dramat. Fragmente sowie novellistische Arbeiten veröffentlichte er in Zeitschriften unter dem Pseudonym C. Reinhold, ebenso «Die Geschichte vom span. Baumeister und die Geschichte vom Leim und der Mariandl» (Stuttg. 1837), sowie die Novelle «Die Mathildenhöhle» (ebd. 1838), zu denen später die «Gesammelten Erzählungen und Novellen» (3 Bde., Brem. 1847‒48) kamen. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete K. durch die Schriften: «Die Lehre vom Mord und Totschlag» (Tl. 1, Stuttg. 1838) und «Wilhelm Ⅰ., König von Württemberg, und die Entwicklung der wirtemb. Verfassung» (ebd. 1839). Diesen folgten: «Die Perduellio unter den röm. Königen» (Tüb. 1841), «Neue Revision der Grundbegriffe des Strafrechts» (2 Tle., ebd. 1844‒45), «Der Wendepunkt des deutschen Strafverfahrens im 19. Jahrh. nebst Darstellung der Entstehung des Geschworenengerichts» (ebd. 1849), «Das Geschworenengericht für Nichtjuristen dargestellt» (1. u. 2. Aufl., ebd. 1849), «Die Geschworenengerichte» (Lpz. 1851) und «System des deutschen Strafrechts» (Bd. 1, Tüb. 1854). Nach seinem Tode wurden die «Abhandlungen aus dem Strafrechte» (Tüb. 1858) und die «Geschichte des deutschen Strafrechts im Umriß» (ebd. 1859) von Geßler herausgegeben. – K.s Gattin, Josephine K., geborene Lang (geb. 14. März 1815 zu München, gest. 3. Dez. 1880 in Tübingen), ist als Liederkomponistin bekannt. (Vgl. H. A. Köstlin, Josephine Lang, Lpz. 1881.)

Köstlin, Heinr. Ad., Musikschriftsteller und Theolog, Sohn des vorigen, geb. 4. Sept. 1846 in Tübingen, studierte daselbst Theologie, ging als Hauslehrer nach Paris, machte 1870 den Feldzug mit und hielt 1871‒73 musikgeschichtliche Vorlesungen an der Universität seiner Vaterstadt, wurde 1873 Pfarrer in Sulz a. N., 1875 in Maulbronn, 1878 in Friedrichshafen, 1881 in Stuttgart. 1883‒91 war K. Professor am Predigerseminar zu Friedberg; seit 1891 lebt er als Oberkonsistorialrat in Darmstadt. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel in verschiedenen Zeitschriften, ferner eine «Geschichte der Musik» (Tüb. 1875; 3. Aufl., Berl. 1888), «Die Tonkunst. Einführung in die Ästhetik der Musik» (Stuttg. 1878), eine «Geschichte des christl. Gottesdienstes» (Freib. i. Br. 1887) u. a. ^[Spaltenwechsel]

Köstlin, Jul., prot. Theolog, geb. 17. Mai 1826 zu Stuttgart, studierte in Tübingen und Berlin, wurde 1850 Stadtvikar in Stuttgart, ging aber schon im Herbst desselben Jahres als Repetent wieder nach Tübingen. 1855 wurde K. außerord. Professor und zweiter Universitätsprediger in Göttingen, 1860 ord. Professor in Breslau, wo er seit 1867 auch Mitglied des schles. Konsistoriums war. 1870 folgte er einem Rufe nach Halle und wurde 1877 Mitglied des Konsistoriums der Provinz Sachsen. K. war seit 1875 Mitglied der preuß. Generalsynode, seit 1879 auch des Generalsynodalrats, seit 1885 des Generalsynodalvorstands. Aus Anlaß der Einweihung der restaurierten Schloßkirche in Wittenberg (31. Okt. 1892) wurde K. zum Oberkonsistorialrat ernannt. K. gehört der Vermittelungstheologie an. Seit 1873 redigiert er (bis 1888 mit Riehm, seitdem mit Kautzsch) die «Studien und Kritiken». Besonders bekannt ist er durch seine Lutherarbeiten geworden. Seine Hauptschriften sind: «Die schott. Kirche, ihr inneres Leben und ihr Verhältnis zum Staat» (Hamb. und Gotha 1852), «Luthers Lehre von der Kirche» (Stuttg. 1853; 2. Aufl. 1868), «Das Wesen der Kirche nach Lehre und Geschichte des Neuen Testaments» (ebd. 1854; 2. Aufl., Gotha 1872), «Der Glaube, sein Wesen, Grund und Gegenstand» (Gotha 1859), das verdienstvolle Buch über «Luthers Theologie» (2 Bde., Stuttg. 1863; 2. Aufl. 1883), «Martin Luther, sein Leben und seine Schriften» (2 Bde., Elberf. 1875; 4. Aufl., Berl. 1889), ferner das populäre Werk «Luthers Leben, mit authentischen Illustrationen» (Lpz. 1882; 9. Aufl. 1891), «Martin Luther, Festschrift» (Halle 1883; 22. Aufl. 1884), «Luther und J. ^[Johannes] Janssen» (1. bis 3. Aufl., ebd. 1883), «Autobiographie» (in den «Deutschen Denkern», Heft 9‒12, Lpz. 1891), «Die Glaubensartikel der Augsburgischen Konfession» (Halle 1891), «Friedrich der Weise und die Schloßkirche in Wittenberg» (Wittenb. 1892), «Die Begründung unserer sittlich-religiösen Überzeugung» (Berl. 1893), «Religion und Reich Gottes. Abhandlungen zur Dogmatik und Ethik» (Gotha 1894). Mit Beyschlag schrieb er «Die außerordentliche Generalsynode der evang. Landeskirche» (Halle 1876).

Köstlin, Karl Reinhold von, prot. Theolog und Ästhetiker, geb. 28. Sept. 1819 zu Urach, studierte in Tübingen und Berlin und wurde in Tübingen 1846 Repetent, 1849 Privatdocent der Theologie und Philosophie. Als Theolog zur Baurschen Schule gehörig, schrieb er: «Der Lehrbegriff des Evangeliums und der Briefe des Johannes» (Berl. 1843) und «Der Ursprung und die Komposition der synoptischen Evangelien» (Tüb. 1853), sowie eine Reihe von Abhandlungen in Zellers «Theol. Jahrbüchern». Später wandte sich K. mehr und mehr der Philosophie und, aus Anlaß seiner Mitarbeit an dem musikalischen Teil von Vischers Ästhetik (Bd. 3), besonders dieser letztern Wissenschaft zu, und wurde für beide Fächer 1858 zum außerord., 1863 zum ord. Professor ernannt. Von seinen Schriften auf diesem Gebiet sind zu nennen: «Goethes Faust, seine Kritiker und Ausleger» (Tüb. 1860), «Ästhetik» (ebd. 1862‒69), «Hegel in philos., polit. und nationaler Beziehung» (ebd. 1870), «Der Ring des Nibelungen» (ebd. 1877), «Geschichte der Ethik» (Bd. 1, Abteil. 1: «Die griech. Ethik bis Plato», ebd. 1887), «Prolegomena zur Ästhetik» (ebd. 1889).

Kostnitz, s. Konstanz.

Kostnitzer Konzil, s. Konstanzer Konzil.

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]