Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Pilātus; Pilatusbahn; Pilau; Pilchard; Pilcomāyo; Pilĕus; Pilger; Pilgermuschel; Pilgram; Pilgrim; Pili; Pīlībhīt; Pilieren; Pilīt; Pilken; Pillau

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Pilatus (Pontius) – Pillau

abergläubisch gemieden, wird der P. seiner herrlichen Aussicht wegen sehr häufig besucht. Die begangensten Wege sind derjenige von Alpnach-Stad am Südfuß und der von Hergiswyl am Ostfuß des Bergstocks, die beide in 3½-4 Stunden zum Esel führen. Seit 1889 führt die Pilatusbahn (s. d.) hinauf. Der Sage zufolge trägt der P. seinen Namen nach dem Landpfleger Pontius Pilatus (s. d.). In Wirklichkeit ist P. = pileatus, der mit einem Hut Bedeckte. Die Wolkenbildung am P. gilt als wetterprophezeiend.

Pilātus, Pontius, 26‒36 n. Chr. röm. Prokurator von Judäa, ist namentlich durch seine Beteiligung an der Kreuzigung Jesu bekannt geworden. Seine despotische Regierung führte schließlich auf Andringen der Juden seine Abberufung herbei. Nach den Evangelien wäre er von der Unschuld Jesu überzeugt gewesen und nur durch Drohungen der Juden zu dessen Verurteilung bewogen worden. Die spätere kirchliche Sage erzählt von einem Bericht des P. an Kaiser Tiberius über die Wunderthaten Jesu und die Umstände bei seiner Hinrichtung; schon um die Mitte des 2. Jahrh. erdichtete man unter seinem Namen einen Brief an den Kaiser und behauptete, daß «Akten des P.» in den röm. Archiven aufbewahrt seien. Im Anfange des 4. Jahrh. wurden heidn. Pilatusakten voll Schmähungen gegen Christus erdichtet, denen einige Zeit nachher christl. Akten entgegengestellt wurden. Nach der Sage soll P. sich in der Verzweiflung über das an Christus begangene Unrecht das Leben genommen haben oder unter Nero enthauptet worden sein. Nach einer noch jüngern Legende soll sein Leichnam in den Tiber, danach, als er dort Überschwemmungen und Ungewitter angerichtet hatte, in die Rhône geworfen, und zuletzt in den kleinen düstern Waldsee der Bründlenalp unweit des Pilatus (s. d.) bei Luzern gebracht worden sein, wo er noch jetzt namentlich am Karfreitag spuken soll. Die Pilatuslegende behandelt ein mittelhochdeutsches Gedicht aus der Anfangszeit der ritterlichen Dichtung in kräftiger Sprache und patriotischer Gesinnung frei nach einer lat. Quelle (hg. von Weinhold im 8. Bde. der «Zeitschrift für deutsche Philologie», Halle 1877). – Vgl. Creizenach, Legenden und Sagen von P. im 2. Bde. der «Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur» (Halle 1876).

Pilatusbahn, die einer Aktiengesellschaft gehörende Zahnradbahn (4,6 km) von Alpnach-Stad am Vierwaldstätter See auf den Pilatus. Die Anfangsstation liegt in 440 m, die Endstation Pilatus-Kulm in 2068 m Höhe. Die Herstellungskosten betrugen 2315000 Frs., während das Aktienkapital der Gesellschaft 2850000 Frs. beträgt, da dieselbe außer der Bahn auch noch Hotels auf Pilatus-Kulm betreibt. Sie wurde 4. Juni 1889 eröffnet und beförderte (1893) 29476 Personen, wofür 193397 Frs. vereinnahmt wurden. Die Betriebsausgaben betrugen 98090 Frs., die Dividende infolge des gleichfalls günstigen Hotelbetriebs 4 Proz.

Pilau (oft fälschlich Pillau), auch Pilaf, das allgemein übliche und beliebteste orient. Gericht aus körnig gekochtem Reis mit Hammelfleisch.

Pilchard (engl., spr. píltsch-), s. Sardine.

Pilcomāyo, rechter Nebenfluß des Paraguay in Südamerika, entspringt in den Cordilleren des bolivian. Depart. Potosi, bildet vom 22.° südl. Br. an die Grenze zwischen der Argentinischen Republik Gobernacion de Formosa und Paraguay, durchfließt südöstlich den Gran Chaco und mündet, etwa 1100 km lang, der Stadt Asuncion gegenüber. Die Ufer des P. sind zwischen 24. und 21.° 1‒7 m hoch, die Tiefe schwankt zwischen 1 und 5 m. Im August ist er schon sehr seicht. Ein Drittel des Laufes ist während 9 Monaten schiffbar; dann treten Stromschnellen auf. Versuche den P. abwärts von Bolivia aus zu befahren sind mißglückt.

Pilĕus (lat.), bei den Römern eine Filzkappe, besonders von Fischern, Schiffern und Handarbeitern getragen.

Pilger oder Pilgrim (vom lat. peregrinus, d. i. Fremder), die aus Andacht nach fernen heiligen Orten Wallfahrtenden, in der christl. Kirche besonders die Wallfahrer nach Jerusalem oder überhaupt nach Palästina. Das christl. Pilgerkleid bestand in einem braunen oder grauen Gewand; der Pilgerhut mit breitem Rand war mit Meermuscheln geziert; der Pilgerstab war ein langer, oben mit einem Knopfe, unten mit einer Spitze, an der Seite mit einer Kugel versehener Stab; die Pilgerflasche (Gurde) war ein ausgehöhlter Kürbis.

Pilgermuschel oder Jakobsmuschel (Pecten Jacobaeus L.), s. Kammmuschel.

Pilgram. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 1185,71 qkm und (1890) 88763 (43095 männl., 45668 weibl.) czech. E. in 125 Gemeinden mit 279 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Kamenitz, Patzau, P. und Počatek. – 2) P., czech. Pelhřimov, königl. Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (418,93 qkm, 29851 czech. E.), nahe der Wasserscheide zwischen Elbe und Donau, an der Linie Iglau-Ober-Cerekwe-Tabor der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 4370 meist czech. E., czech. Staatsobergymnasium, Bürgerspital; Woll- und Leinenindustrie, Fabrikation von Stärke, Sirup und Traubenzucker, Brauerei und Kunstmühle.

Pilgrim, s. Pilger.

Pili (lat.), die Haare (s. d.).

Pīlībhīt, Hauptstadt des Distrikts P. in den indobrit. Nordwestprovinzen, 48 km im NO. von Bareli (s. d.), am linken Ufer des Garra, mit (1891) 33799 E. (19881 Hindu, 13847 Mohammedaner), hat zwei große Marktplätze, eine Dschami’ Masdschid (Moschee), eine engl. Schule und ein Saraï (Unterkunftshaus für Eingeborene). Die wichtigste Industrie ist die Zuckerraffinerie. Schiff- und Bootbau hat nachgelassen, seit das holzreiche Trans-Sarda-Taraï (Marschland) an Nepal abgetreten ist. Hauptausfuhrartikel sind: Reis, Borax und Pfeffer aus Kumaon und Nepal, Honig, Wachs, Pech, Wolle und etwas Katechu. Mit Bareli ist P. durch eine Eisenbahn verbunden.

Pilieren (frz.), stampfen, zerstoßen. (S. auch Pilar.)

Pilīt, Gestein, s. Olivin.

Pilken, s. Leinenfischerei.

Pillau, Gericht, s. Pilau.

Pillau, Stadt nebst Festung und Badeort im Kreis Fischhausen des preuß. Reg.-Bez. Königsberg, am Pillauer Tief und auf dem Südende einer 9 km langen, der Frischen Nehrung gegenübertretenden Landzunge, an der Linie Königsberg-P. (46,1 km) der Ostpreuß. Südbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Königsberg), Hauptzollamtes, Artilleriedepots, einer Fortifikation und Hafenbauinspektion, hat (1890) ohne die Festungsbesatzung 3303 E., darunter 53 Katholiken, in Garnison das 2. Bataillon des Infanterieregiments Herzog Karl von