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Senne – Senonen
artige Euphorbien und südlich von 12° nördl. Br. am Blauen Nil die stolze Delebpalme. Im Tierreich finden sich Meerkatzen, Stachelmäuse, Springhasen, Viverren, Ichneumonen, Stinktiere, Löwen, Geparden, riesenhafte Affen, Gazellen, Büffel, Giraffen, Flußpferde und Elefanten sowie eine Menge Sumpf- und Wasservögel. Am Weißen Nil leben ganze Stämme fast ausschließlich vom Fischfang (Welsarten). Die Bewohner zerfallen in hellerfarbige (Schukurieh, Hasanieh u. a.) und dunklere. Zu den letztern gehören die Fundj (Funghi), ein Negerstamm, der nach 1500 von SW. her vordrang und das Reich S. gründete, das bis 1820 bestand. Die alte Hauptstadt S. am Blauen Nil, mit etwa 10000 E., ist seit dem Aufblühen Chartums gesunken; größer sind Wod Medina und Mesalamia.
Senne, Fluß in Belgien, entspringt in der Provinz Hennegau, 6 km südöstlich von Soignies, berührt Brüssel und mündet, 103 km lang, 5 km nordwestlich von Mecheln links in die Dyle. Von Hal bis Vilvorde begleitet sie ein Kanal, der Charleroi mit Brüssel und Antwerpen verbindet.
Senne oder Senner Heide, wenig bebauter Landstrich Westfalens, am westl. Abfall des Lippischen Waldes, im Quellgebiet der Lippe und Ems, erstreckt sich gegen NW. bis gegen Bielefeld hin. Sie ist durch ihre Pferdezucht berühmt (s. Senner Pferd).
Sennerei, die Gewinnung der Milchprodukte in den Alpenwirtschaften (s. d.). Die Sennhütten oder Senten (in Skandinavien Säter), wo die Verarbeitung der Milch stattfindet, stehen bald einzeln, bald zu Weilern vereinigt an geschützten Stellen der Alpweiden und enthalten den Raum für die Käse- (und Butter-)Bereitung, den Schlafraum für die Sennen (Küher, Käser), die in Tirol und Oberbayern oft durch Sennerinnen ersetzt werden, und meist auch Stallungen zum Schutz des Viehes bei schlechter Witterung. Die S., welche mit der gesamten Alpenwirtschaft sich neuerdings durch weitere Ausbildung des Genossenschaftswesens (Sennereigenossenschaften, Gesellschafts- und Gemeindekäsereien), bessere Pflege und Düngung der Alpenweiden und verbesserte Technik der Milchverarbeitung sehr gehoben hat, wird namentlich in den Alpen der Schweiz, Tirols, Oberbayerns, Salzburgs, Kärntens u. s. w., ferner im Jura, in den Vogesen und im Norden in Schweden, Norwegen, Island betrieben. In den Vordergrund tritt hier zumeist die Fabrikation von Käse, der häufig von in der Ebene nicht leicht zu erreichender Güte ist. Die meist sehr zurücktretende Butterfabrikation lieferte dagegen bislang nicht selten ein Produkt, das der herrschenden Vorstellung von «frischer Alpenbutter» wenig entspricht. Sennen heißt das Beziehen und Bewirtschaften der Alpweiden, Senntum das zur Alp gehörende Vieh, Sennzeit der Zeitraum zwischen Auftrieb und Abfahrt. (S. auch Milchwirtschaft.)
Senner Pferd, ein Pferdeschlag, der auf der Senne (s. d.) in Westfalen schon im 12. Jahrh. gezogen wurde. Dieses den Fürsten zu Lippe gehörige Gestüt war das einzige halbwilde Gestüt Deutschlands. Die Pferde waren sich vollkommen selbst überlassen und blieben Sommer und Winter im Freien. Sie waren mittelgroß, abgehärtet, ausdauernd und von orient. Typus. Obgleich 1680 in Lopshorn, südwestlich von Detmold, Gestütstallungen eingerichtet und orient. und engl. Hengste eingeführt wurden, erhielt sich das Senner Gestüt doch bis ins 19. Jahrh. hinein in seiner urwüchsigen Eigenart. In Lopshorn beherbergt ein fürstl. lippisches Gestüt noch Nachkommen des S. P. ^[Spaltenwechsel]
Sennesblätter (Folia Sennae), ein häufig angewendetes Arzneimittel, sind die Blätter verschiedener strauchartiger Cassienarten, namentlich von Cassia lenitiva Bish., Cassia angustifolia Vahl, Cassia obovata Collad. und Cassia pubescens R. Br. (S. Cassia.) Man unterscheidet im Handel Senna alexandrina (alexandrinische, Apalto- oder Palt-Senna), Senna tripolitana, Senna indica (die beste Sorte die Mekka- oder Mokka-Senna) und die aleppische oder syr. Senna. Sie haben einen eigentümlichen süßlich-widrigen Geruch und einen bitterlichen, ekelhaft-schleimigen Geschmack. Ihr wirksamer Bestandteil ist ein drastisch-purgierender Extraktivstoff, die Kathartinsäure (Kathartin); außerdem enthalten sie zwei Glykoside, das Sennapikrin und das Sennakrol, ferner Chrysophensäure, Kathartomannit u. s. w. Die S. wirken als sicheres und kräftiges Purgiermittel und werden sehr häufig angewendet, sobald nur nicht entzündliche Anlage, Anschwellung von Hämorrhoidalgefäßen, Schwangerschaft, Menstruation oder Neigung zu Krämpfen und Kolik den Gebrauch derselben verbieten. Gewöhnlich werden sie in Aufguß verordnet, aber auch in Pulvern und Pillen gegeben und sind das Hauptmittel in dem sog. Wiener Tränkchen (Infusum laxativum Viennense oder Sennae compositum), in der Sennalatwerge (s. d.) und in dem Kurellaschen oder Brustpulver (Pulvis Liquiritiae compositus oder Pulvis pectoralis). In neuerer Zeit finden auch die mit kaltem Alkohol ausgezogenen S. (Folia sennae spiritu extracta) vielfach Verwendung; sie wirken milder als die gewöhnlichen S. und bilden den Hauptbestandteil des Saint-Germain-Thees (Species laxantes St. Germain). Das Deutsche Arzneibuch von 1890 hat die extrahierten Blätter nicht aufgenommen. Über deutsche oder falsche S. s. Colutea.
Sennheim, franz. Cernay, Hauptstadt des Kantons S. (13329 E.) im Kreis Thann des Bezirks Oberelsaß, an der Thur, der Linie Mülhausen-Wesserling und der Nebenlinie S.-Masmünster (19,2 km) der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Mülhausen), hat (1890) 4375 E., darunter 355 Evangelische und 177 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, kath. Dekanat, Reste der alten Befestigungen, Pfarrkirche St. Stephan; Eisengießerei, Kammgarnspinnerei, Baumwollspinnerei und ‑Weberei, Stoffdruckerei, Färberei, Spindelröhrchen- und Maschinenfabrik, Ziegelei. Nahebei das Waisenhaus Asile agricole, in dem Knaben und Mädchen in der Landwirtschaft ausgebildet werden. – Südlich von S. das sagenreiche Ochsenfeld, eine unfruchtbare Kiesebene mit Nadelwald. Hier soll die Entscheidungsschlacht zwischen Cäsar und Ariovist (58 v. Chr.) stattgefunden haben. Am 3. März 1634 schlug Bernhard von Weimar daselbst die Lothringer unter Herzog Karl.
Sennōnen, soviel wie Semnonen (s. d.).
Senōn, die oberste Stufe der obern Abteilung der Kreideformation (s. d.); ihr gehören die Kreidefelsen an der Südküste von England und auf Rügen an, während sie z. B. bei Quedlinburg aus sandigen Gesteinen besteht. Einige Leitfossilien s. auf Tafel: Petrefakten der Mesozoischen Formationsgruppe Ⅳ, Fig. 12‒15 (Bd. 11, S. 801).
Senōnen, Völkerschaft in Gallien mit der Hauptstadt Agedincum, heute Sens (s. d.).