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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Demetrius; Demetz; Demeublieren; Demi

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Demetrius (Großfürsten) – Demi

1837), C. Hammer (Landshut 1883), auch in den «Rhetores Graeci» von Walz (Bd. 9, Stuttg. 1836) herausgegeben. Die erhaltenen Bruchstücke seiner histor. Schriften und Reden sind in den «Fragmenta historicorum Graecorum» (Bd. 2, hg. von C. Müller, Par. 1848) und den Ausgaben der «Oratores Attici» gesammelt. – Vgl. Ostermann, De Demetrii Phalerei vita etc. (2 Tle., Hersfeld 1847; Fulda 1857).

Demetrius (Dmitrij), Name mehrerer russ. Großfürsten. – D. Ⅰ., Sohn des Großfürsten Alexander Newsky, bestieg 1276 den großfürstl. Thron, lebte aber mit seinem Bruder Andreas in fortwährendem! Kriege, bis er 1294 starb. – D. Ⅱ., Sohn des Großfürsten Michael, gelangte nach des Vaters Ermordung 1320 in den Besitz des Fürstentums Twer, wurde aber durch Georg Ⅲ. von Moskau bekriegt und sah sich genötigt, zu den Tataren seine Zuflucht zu nehmen. Als er hier Georg Ⅲ., der sich ebenfalls zum Tataren-Chan begeben hatte, erdolchte, ward er 15. Sept. 1326 hingerichtet. – D. Ⅲ., Sohn Konstantins von Susdal, wurde 1360 durch die Tataren als Großfürst eingesetzt, 1362 aber entthront und starb 5. Juli 1383. – Ihm folgte D. Ⅳ., Donskoj, ein Sohn Iwans Ⅱ. von Moskau, geb. 12. Okt. 1350, der, schon als Kind im Besitze des Fürstentums Moskau, sich 1367 mit der Tochter D.’ Ⅲ. vermählte. Er verlegte seine Residenz von Wladimir nach Moskau und kämpfte glücklich gegen die Fürsten von Twer, die Litauer, die Fürsten von Rjasan und gegen die Tataren. Wegen der siegreichen Schlacht gegen die letztern am Don (8. Sept. 1380) erhielt er den Beinamen Donskoj. Im erneuerten Kampfe gegen die Tataren unterlag er jedoch ; Moskau wurde niedergebrannt, und die Russen sahen sich genötigt, unter die Zinspflichtigkeit der Tataren zurückzukehren. D. starb 18. Mai 1389. – D. Ⅴ., Sohn Iwans des Schrecklichen, geb. 19. Okt. 1583, ward durch seinen Stiefbruder, den Zaren Feodor Iwanowitsch, mit seiner Mutter Marfa nach Uglitsch verwiesen und auf Befehl Boris Godunows wahrscheinlich 15. Mai 1591 ermordet.

Infolge der Ungewißheit seines Todes traten die verschiedenen falschen D. auf. Der erste, der sich 1603 für D., den Sohn Iwans, ausgab, war wahrscheinlich von kosakischer Abstammung; daß er ein Mönch aus dem Kloster Tschudow, Namens Gregor Otrepjew, gewesen sei, ist von ältern wie neuern Historikern für zweifelhaft erklärt worden. Er entdeckte sich zuerst dem Fürsten Wisniowezki in Litauen, bei dem er in Diensten stand, und dann dem Woiwoden von Sandomir, Mniszek, durch den er dem poln. Könige Sigismund Ⅲ. vorgestellt wurde. Die Polen erkannten in ihm ein willkommenes Werkzeug, um Einfluß auf Rußland zu gewinnen. Da die Republik als solche ihn zufolge des mit Rußland geschlossenen Friedens nicht unterstützen konnte, bildeten seine Freunde, die Mniszek und Wisniowezki, eine poln. Freiwilligen-Armee, die sich rasch durch kosakische und russ. Zuzügler verstärkte. Boris Godunow starb, nachdem er mehrere Niederlagen erlitten; sein Sohn Feodor, der ihm folgte, geriet in Gefangenschaft. Hierauf zog D. 1605 in Moskau ein, bestieg den Thron und ließ Feodor erdrosseln. Er regierte mit Kraft und Umsicht, doch brachte er das Volk gegen sich auf, als seine Braut, die kath. Marina Mniszek, die Tochter des Woiwoden von Sandomir, mit 2000 Polen in Moskau erschien. Während der Hochzeitsfeier entstand ein Aufstand in Moskau: das Volk, von dem Fürsten Wassilij Schujskij geleitet, stürmte den Kreml. D. und viele Polen wurden 17. Mai 1606 ermordet; Marina, die mit Mühe dem Tode entging, ward ins Gefängnis geworfen. Die Berichte der Zeitgenossen über diesen ersten Pseudo-Demetrius sind von Ustrjalow (5 Bde., Petersb. 1831‒34) gesammelt worden; neue Untersuchungen gaben Mérimée («Les faux D.», 1852; deutsch Lpz. 1853 u. ö.), Kostomarow (1864), Solowjow u. a. m. Unter den Dichtungen, zu denen sein Schicksal den Stoff geliefert, ragt Schillers «Demetrius» (unvollendet) als Meisterwerk hervor. – Schon 1607, nachdem Wassilij Schujskij den Thron bestiegen, trat der zweite falsche D. (der sog. Dieb von Tuschino) auf. Er gab sich für eine Person mit dem ersten aus und behauptete, sich aus Moskau gerettet zu haben. Er fand besonders Anhang, als die herrschsüchtige Marina nach ihrer Befreiung ihn als ihren Gemahl anerkannte. Als der poln. Hetman Zolkjewski nach Wassilijs Sturze die russ. Hauptstadt für Sigismunds Ⅲ. Sohn, Wladislaw, in Besitz genommen hatte, flüchtete D. nach Kaluga und ward dort 11. Dez. 1610 ermordet. – Ein dritter falscher D., der angebliche Sohn Otrepjews, fand Unterstützung bei Wladislaw Ⅳ. von Polen, flüchtete, als dieser gestorben, erst nach Schweden, dann nach Holstein, wo ihn der Herzog 1648 an den Zaren Alexéj Michailowitsch auslieferte, der ihn erdrosseln ließ. – Ein vierter falscher D. war der Diakon Sidor. Er bemächtigte sich der Stadt Pskow, wurde aber von den Bewohnern vertrieben und 1613 in Moskau hingerichtet. ^[Spaltenwechsel]

Demetz (spr. -meß), Frédéric Auguste, Reformator des franz. Gefängniswesens, geb. 12. Mai 1796, studierte die Rechte in Paris, war zuerst Advokat, ging aber später in die richterliche Laufbahn über. D. wurde 1832 Appellrat und schied 1840 aus dem Staatsdienst aus, nachdem er 4 Jahre zuvor im Auftrage der franz. Staatsregierung die Vereinigten Staaten von Amerika besucht hatte zum Studium der dortigen Strafanstalten, wobei er sich von den Nachteilen des pennsylv. Isolierungssystems für jugendliche Verbrecher überzeugte. Zu hohem Ansehen gelangte D. durch die Gründung der Besserungsschule zu Mettray bei Tours, einer auf landwirtschaftlicher Arbeit und auf geschickter pädagogischer Verwertung eines Systems von Belohnungen beruhenden Anstalt. D. hatte bei seiner Gründung diejenige Klasse jugendlicher Verbrecher ins Auge gefaßt, die wegen mangelnden Unterscheidungsvermögens in Gemäßheit des Gesetzes freigesprochen werden und einer Straferziehung gleichzeitig bedürftig erscheinen. Anfangs nur 10 Kinder zählend, erreichte Mettray später einen Bestand von 700 Insassen. D. starb 15. Nov. 1873. Er lieferte einige Berichte über Gefängniswesen, unter denen seine «Rapports à monsieur le comte de Montalivet sur les pénitenciers des États-Unis» (mit Blouet; 1839) obenan stehen. Wichtiger waren die einfachen Rechenschaftsberichte über die zu Mettray erreichten Erfolge, wodurch nicht nur in Frankreich selbst, sondern auch in andern europ. Staaten, vornehmlich England, zahlreiche ähnliche Gründungen hervorgerufen wurden. (S. Gefängniswesen.)

Demeublieren (frz., spr. -möbl-), das Hausgerät, die Möbel aus einem Zimmer u. s. w. fortschaffen, ausräumen; Démeublement (spr. -möbl’máng), Ausräumung.

Demi (frz., spr. d’mi), halb, häufig in Zusammensetzungen.