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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rose; Roseau; Rose bengale; Rosebery; Rosēen; Rosegger; Rosegger

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Rose (Heinrich) – Rosegger

einzelnen Abhandlungen, unter denen besonders die in Gilberts «Annalen der Physik» 1823 erschienene «Über den Feldspat, Albit, Labrador und Anorthit» hervorzuheben ist, veröffentlichte er die als erstes Lehrbuch ausgezeichneten «Elemente der Krystallographie» (Berl. 1833; 3. Aufl., hg. von Sadebeck, ebd. 1873), den Bericht über den mineralog.-geognost. Teil der von ihm 1829 mit A. von Humboldt und Ehrenberg gemachten «Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meer» (2 Bde., ebd. 1837‒42), die Abhandlung «Über das Krystallisationssystem des Quarzes» (ebd. 1846), «Das krystallo-chem. Mineralsystem» (Lpz. 1852) und die «Beschreibung und Einteilung der Meteoriten» (Berl. 1863). – Sein älterer Sohn, Valentin R., geb. 8. Jan. 1829 zu Berlin, Direktor der Handschriftenabteilung an der königl. Bibliothek, hat sich durch Arbeiten über Aristoteles, Vitruv und die alten Ärzte ausgezeichnet. Er giebt ein ausführliches Verzeichnis der lat. Handschriften der Berliner Bibliothek heraus, von dem Bd. 1 (Berl. 1893) erschienen ist.

Rose, Heinrich, Chemiker, Bruder des vorigen, geb. 6. Aug. 1795 in Berlin, studierte in Berlin und ging 1819 zu Berzelius nach Stockholm, von da 1821 nach Kiel. 1822 habilitierte er sich zu Berlin und wurde daselbst 1823 außerord. und 1835 ord. Professor der Chemie. Seit 1832 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, starb er 27. Jan. 1864. R. war einer der tüchtigsten Schüler von Berzelius und ist als Schöpfer der neuern analytischen Chemie zu betrachten. Seine durch Genauigkeit ausgezeichneten praktischen Arbeiten sind sämtlich in Poggendorffs «Annalen» enthalten und haben zu genauerer Kenntnis einer Menge von Verbindungen beigetragen. Er entdeckte 1844 das Niobium. Sein Hauptwerk ist das «Handbuch der analytischen Chemie» (Berl. 1829; 6. Aufl., 2 Bde., neu hg. von Finkener, Lpz. 1864‒71; in franz. Sprache, 2 Bde., Par. 1859‒61). – Vgl. Rammelsberg, Gedächtnisrede auf Heinr. R. (Berl. 1865).

Rose, Valentin, der Ältere, Pharmaceut und Chemiker, geb. 16. Aug. 1736 zu Neuruppin, gest. 28. April 1771 als Apotheker und Assessor des Medizinalkollegiums in Berlin, stellte unter anderm zuerst die leichtflüssige Metalllegierung dar, die nach ihm Rosesches Metall (s. d.) heißt. – Sein Sohn Valentin R., der Jüngere, geb. 30. Okt. 1762 in Berlin, übernahm 1792 die väterliche Apotheke und starb ebenfalls als Assessor des Obermedizinalkollegiums 9. Aug. 1807 zu Berlin. Er stellte zuerst das Inulin und das doppeltkohlensaure Natrium dar, und auf seiner Darstellung des letztern beruht die ganze gegenwärtige Mineralwasserindustrie. Von ihm rührt ferner die Methode her, die alkalihaltigen Silikate durch salpeterhaltige Baryterde zu zerlegen. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Auffindung des Arseniks bei Arsenikvergiftungen; seine Methode ist erst in neuerer Zeit verdrängt worden.

Roseau (spr. -soh), Hauptstadt der Insel Dominica (s. d.).

Rose bengale (frz., spr. ros’ bänggáll), Alkalisalze des Tetrajoddichlor- oder Tetrachlorfluoresceïns, ein bläulichroter Wollfarbstoff.

Rosebery (spr. róhsberri), Archibald Philipp Primrose, fünfter Graf von, liberaler engl. Staatsmann, geb. 7. Mai 1847 in London, folgte, nachdem er in Eton und Oxford seine Erziehung erhalten und seinen Vater schon früh verloren hatte, 1868 seinem Großvater in der Peerswürde. Sein erstes öffentliches Auftreten fand bei der Eröffnung des Parlaments von 1871 statt, bei welcher Gelegenheit er von Gladstone ausersehen wurde, die Adresse an die Krone im Oberhause zu befürworten. 1878 wurde er zum Rektor der Universität Aberdeen, 1880 zum Rektor der Universität Edinburgh gewählt. 1881‒83 war er unter Gladstone Unterstaatssekretär des Innern, Febr. bis Juli 1886 Staatssekretär des Auswärtigen. Er erwarb sich Verdienste um das Unterrichtswesen und beteiligte sich lebhaft an der Frage einer Oberhausreform; für sie brachte er März 1888 einen mit 97 gegen 50 Stimmen abgelehnten Antrag ein, der alle erblichen Peers mit Ausnahme der Prinzen von Geblüt abschaffen und lebenslängliche Wahlpeers an deren Stelle setzen wollte. In Gladstones viertem Ministerium übernahm er Aug. 1892 wieder die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, überließ sie aber an Lord Kimberley, als er März 1894 nach Gladstones Rücktritt als erster Lord des Schatzes an die Spitze des Ministeriums trat. Wegen der Ablehnung der Home-Rule-Bill nahm R. seine Pläne für eine Reform des Oberhauses von neuem auf, ohne bisher (Febr. 1895) einen bestimmt formulierten Antrag vorzulegen. R. schrieb eine Biographie des jüngern Pitt (Lond. 1892). – Vgl. A. Wallace, Lord R., his words and his work (Lond. 1894). ^[Spaltenwechsel]

Rosēen, s. Rosaceen.

Rosegger, Peter (auf seinen frühern Schriften P. K., d. i. Petri Kettenfeier genannt), Schriftsteller, geb. 31. Juli 1843 zu Alpel bei Krieglach in Steiermark als Sohn eines Gebirgsbauers, war selbst Bauer bis zu seinem 18. Lebensjahre, erlernte zu Kathrein am Hauenstein das Schneiderhandwerk, kam im 22. Lebensjahre nach Graz und besuchte hier die Akademie für Handel und Industrie. 1876 begründete er die volkstümliche Monatsschrift «Heimgarten». Seit 1877 wohnt R. im Sommer zu Krieglach, im Winter zu Graz. R. ist einer der besten deutschen Erzähler. In steir. Mundart schrieb er ein Bändchen Gedichte «Zither und Hackbrett» (Graz 1870; 3. Aufl. 1884), «Tannenharz und Fichtennadeln» (ebd. 1870; 2. Aufl. 1881), «Stoansteirisch» (2 Bde., ebd. 1885, 1889). 1870‒94 veröffentlichte R. (die frühern Auflagen in Wien, Graz, Pest und Preßburg, häufig unter anderm Titel, die neuern regelmäßig bis 1894 in Wien) der Reihe nach: «Volksleben in Steiermark» (7. Aufl.), «Die Älpler» (6. Aufl.), «Die Schriften des Waldschulmeisters» (16. Aufl.), «Heidepeters Gabriel» (6. Aufl.), «Sonderlinge aus dem Volk der Alpen» (7. Aufl.), «Waldheimat» (8. Aufl.), «Das Buch der Novellen» (8. Aufl.), «Feierabende» (5. Aufl.), «Am Wanderstabe» (5. Aufl.), «Sonntagsruhe» (5. Aufl.), «Dorfsünden» (5. Aufl.), «Meine Ferien» (4. Aufl.), «Der Gottsucher» (6. Aufl.), «Neue Waldgeschichten» (7. Aufl.), «Das Geschichtenbuch des Wanderers» (3. Aufl.), «Bergpredigten» (3. Aufl.), «Höhenfeuer» (5. Aufl.), «Allerhand Leute» (3. Aufl.), «Jakob der Letzte» (6. Aufl.), «Martin der Mann» (2. Aufl.), «Der Schelm aus den Alpen», «Hoch vom Dachstein» (2. Aufl.), «Allerlei Menschliches» (2. Aufl.), «Peter Mayr» (4. Aufl.), «Spaziergänge in der Heimat», «Gedichte», «Am Tage des Gerichts» (Volksschauspiel), «Persönliche Erinnerungen an Robert Hamerling», «Gute Kameraden». In Leipzig erschien «Als ich jung noch war» (1., 2. Aufl. 1894). R.s ausgewählte Schriften kamen bisher in vier verschiedenen Ausgaben heraus.